Posts mit dem Label psychologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label psychologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 3. September 2007

Rationale und andere Piraten

In einem Kommentar zu diesem Post macht mich maol darauf aufmerksam, dass die Piraten in dieser Aufgabe zwingend rational sein müssen, damit sie die angegebene Lösung wählen. Das ist natürlich völlig richtig. Das Spiel funktioniert nur unter der Annahme, dass die Piraten streng rational handeln und jeden noch so kleinen Geldbetrag akzeptieren, selbst wenn die Verteilung des Geldes sehr ungleich ist.

Echte Piraten sind aber nicht rational, genauso wenig wie alle anderen Leute. Das Piraten-Spiel ist eine Abwandlung des klassischen Ultimatum-Spiels. Dabei erhält ein Spieler einen Geldbetrag und kann darauf entscheiden, wie viel davon er einem zweiten Spieler abgeben will. Wenn der zweite ablehnt, gehen beide Spieler leer aus. Wären die beiden rational, dann würde Spieler 1 einen möglichst kleinen Betrag anbieten und Spieler 2 das Angebot in jedem Fall akzeptieren. Eine Übersicht über die zahllosen Experimente, die mit dem Ultimatum-Spiel durchgeführt wurden, zeigt aber ein ganz anderes Bild: Die Angebote von Spieler 1 sind meistens grosszügiger, und Spieler 2 lehnt ungerechte Verteilungen regelmässig ab.

Dienstag, 16. Januar 2007

Milgram reloaded

In den 60er Jahren erlangte der Psychologe Stanley Milgram mit einem Experiment zur Obrigkeitshörigkeit von Menschen grosse Bekanntheit. Darin wurden die Probanden angewiesen, einem "Schüler" Fragen zu stellen und bei falschen Antworten Elektrostösse von zunehmender Stärke auszulösen. In Wirklichkeit waren die "Schüler" Schauspieler, die Elektroschläge nur vorgetäuscht. Das verstörende Ergebnis: Ein grosser Teil der Probanden setzte das Experiment auf Anweisung des Versuchsleiters auch dann noch fort, wenn die "Schüler" den Abbruch des Experiments forderten und gesundheitliche Schäden angenommen werden mussten.

Wie Nicholas Carr berichtet, hat nun eine Gruppe von Psychologen das Experiment wiederholt - allerdings mit einem Avatar, einer virtuellen Repräsentation einer Person, als "Schülerin". Und obwohl sich die Probanden diesmal bewusst waren, dass weder die "Schülerin" noch die Elektrostösse echt waren, verhielten sie sich praktisch analog zu den Probanden in Milgrams Experiment.