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Dienstag, 23. Oktober 2007

Gott sorgt für Wirtschaftswachstum

Also gut: Nicht wirklich Gott selber, aber zumindest der Glaube an ihn. Präziser: Der Glaube nur an ihn, und nicht an mehrere Götter. Das behauptet auf jeden Fall der Ökonom Murat Iyigun (für extrem treue Leser dieses Blogs mit extrem gutem Gedächtnis: Das ist der, der einen Zusammenhang zwischen den Ottomanen und dem Protestantismus konstruiert hat) in einem neuen Paper (via Borjas). Das Aufkommen monotheistischer Religionen, so Iyigun, habe die ökonomische Entwicklung in den jeweiligen Weltreligionen angetrieben. Und zwar aus zwei Gründen: Einerseits habe der Monotheismus den Aufbau religiöser Machtstrukturen begünstigt, die wiederum für eine gewisse politische Stabilität sorgten. Und andererseits habe der Glaube an ein Leben nach dem Tod die persönliche Verantwortlichkeit der Menschen erhöht - im Klartext: Wer betrügt, muss auch nach dem Tod dafür büssen. Dies führte dann zu mehr Vertrauen unter den Marktteilnehmern, was das Wachstum begünstigte. - Ich bin sicher, die katholische Kirche wird über die Forschungsergebnisse hoch erfreut sein.

Montag, 8. Oktober 2007

Affen sind die besseren Ökonomen

Klassische ökonomische Modelle gehen oft davon aus, dass der Mensch ein Homo oeconomicus ist - ein rationaler Nutzenmaximierer. Das berühmte Ultimatum-Spiel (siehe auch hier) widerlegt diese Annahme eindrücklich: Menschen verhalten sich im ökonomischen Sinn irrational, weil sie Fairness höher gewichten. Doch wie sieht es mit unseren nächsten Verwandten aus? Ein Forscherteam hat das Ultimatum-Spiel mit Schimpansen durchgeführt. Das Ergebnis, berichten sie in Science (Volltext kostenpflichtig, hier ist das Abstract), ist eindeutig: Die Schimpansen haben keinerlei Sinn für Fairness und handeln genau so, wie die ökonomische Theorie voraussagt: streng nutzenmaximierend. Dieser Unterschied zwischen Mensch und Affe, schreibt der Economist, könnte der Grund für den evolutionären Erfolg der Menschen sein. Denn erst ein Sinn für Fairness erlaubt die Formung von grösseren sozialen Gruppen, ohne dass Trittbrettfahrer die Situation ausnützen.

Foto: basykes

Dienstag, 2. Oktober 2007

Verkaufe Musikalbum, Preis spielt keine Rolle

Grosse Diskussion im Moment um Radiohead: Die britische Band bringt ihr neues Album "Rainbow" heraus - und lässt die Fans auf der Webseite selbst entscheiden, wie viel sie dafür bezahlen wollen. Ob das nun ein Penny oder 50 Pfund sind. "Sind die meschugge geworden??", fragt Dani Rodrik verständlicherweise. Und gibt die Antwort darauf gerade selber: Natürlich nicht. Es ist zwar zu erwarten, dass der durchschnittlich bezahlte Preis tiefer sein wird als der Normalpreis für ein Musikalbum (aber, wie ein ähnliches Experiment gezeigt hat, vielleicht nicht um viel) - aber gleichzeitig werden auch Personen das Album kaufen, die bei einem fixen Preis nicht zugegriffen hätten (sozusagen eine freiwillige Preisdiskriminierung). Dieser Effekt wird durch die grosse Aufmerksamkeit, die dem Experiment von Radiohead zuteil wird, zusätzlich noch verstärkt.

Dienstag, 18. September 2007

Wie wird einer zum Terroristen?

Ich habe hier bereits einmal kurz auf die Untersuchungen des Ökonomen Alan Krueger hingewiesen. Krueger hat nun ein Buch mit dem Titel "What makes a terrorist?" geschrieben, in dem er mit statistischen Methoden die Gründe des Terrorismus zu erforschen versucht. In einem Artikel für VoxEU fasst er seine wichtigsten Erkenntnisse zusammen: Terrorismus wird nicht durch Armut erzeugt; nicht durch schlechte Ausbildung; und nicht durch eine bestimmte religiöse Ausrichtung. Terroristen, argumentiert Krueger, sind auch keine Geistesgestörten. Sie haben ein bestimmtes Ziel, wollen gegen einen bestimmten Missstand protestieren, und sind dafür bereit, das Leben von anderen und sogar ihr eigenes zu opfern. Und entsprechend, schreibt Krueger, gibt es eine starke Korrelation zwischen mangelhaft ausgeprägten politischen Rechten und der Entstehung von Terrorismus: Leute, die keine oder nur wenige Möglichkeiten haben, friedlich gegen Missstände zu protestieren, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, zum Terrorismus als ultima ratio zu greifen.

Mittwoch, 12. September 2007

Lasst die Präsidentschaftskandidaten spielen

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA hat bereits begonnen, und die Kandidaten haben bereits in mehreren Fernseh-Debatten die Klingen gekreuzt, damit die Wähler sich ein Bild von ihren Absichten machen können. Doch das funktioniere nur sehr schlecht, schreibt Alex Tabarrok vom Ökonomie-Blog Marginal Revolution. Die Debatten seien langweilig, die Kandidaten würden schwierigen Fragen ausweichen - und die Zuschauer wüssten nicht, was überhaupt eine gute Antwort ist. Tabarroks Vorschlag: Eine Fernseh-Game-Show, in der die Kandidaten ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem sie etwa einen Ehestreit schlichten oder echte von falschen Beratern unterscheiden müssen. Nicht nur wäre das unterhaltsamer als Wortgefechte, es wäre auch klarer, wer gewonnen hat.

Montag, 3. September 2007

Rationale und andere Piraten

In einem Kommentar zu diesem Post macht mich maol darauf aufmerksam, dass die Piraten in dieser Aufgabe zwingend rational sein müssen, damit sie die angegebene Lösung wählen. Das ist natürlich völlig richtig. Das Spiel funktioniert nur unter der Annahme, dass die Piraten streng rational handeln und jeden noch so kleinen Geldbetrag akzeptieren, selbst wenn die Verteilung des Geldes sehr ungleich ist.

Echte Piraten sind aber nicht rational, genauso wenig wie alle anderen Leute. Das Piraten-Spiel ist eine Abwandlung des klassischen Ultimatum-Spiels. Dabei erhält ein Spieler einen Geldbetrag und kann darauf entscheiden, wie viel davon er einem zweiten Spieler abgeben will. Wenn der zweite ablehnt, gehen beide Spieler leer aus. Wären die beiden rational, dann würde Spieler 1 einen möglichst kleinen Betrag anbieten und Spieler 2 das Angebot in jedem Fall akzeptieren. Eine Übersicht über die zahllosen Experimente, die mit dem Ultimatum-Spiel durchgeführt wurden, zeigt aber ein ganz anderes Bild: Die Angebote von Spieler 1 sind meistens grosszügiger, und Spieler 2 lehnt ungerechte Verteilungen regelmässig ab.

Montag, 27. August 2007

Verträge für Politiker

Kürzlich löste der Ökonom Bryan Caplan eine heftige Debatte aus (zumindest in den USA), weil er in einem Buch eine Mehrheit der Wähler als irrational bezeichnete und daraus folgerte, Politik-Entscheidungen in Demokratien, die eben von den Wählern getroffen werden, seien selten optimal. Auch der Schweizer Wirtschaftsprofessor Hans Gersbach erkennt im demokratischen System Verbesserungsbedarf, aber nicht bei den Wählern, sondern bei den Politikern: Die kümmerten sich zu oft nur um ihre Wiederwahl, anstatt längerfristige Probleme anzupacken. An der Urne werden sie für solches Verhalten kaum je bestraft. Gersbachs Lösungsvorschlag, den er in der NZZ vom Samstag vorstellt: Politiker sollen im Wahlkampf bindende Verträge mit dem Volk abschliessen. Nur wenn sie diese einhalten, bekommen sie eine Belohnung oder werden überhaupt erst zur nächsten Wahl zugelassen. Die Idee ist interessant - aber, wie Gersbach selber schreibt, es bleiben einige Stolpersteine: Politische Ziele, die sich nicht eindeutig messen lassen, taugen nichts für solche Verträge und werden darum vernachlässigt. Und Rahmenbedingungen können ändern, und einstmals in einem bindenden Vertrag festgelegte Lösungen sind vielleicht nicht mehr sinnvoll.

Dienstag, 21. August 2007

Wenn Ökonomen AC/DC hören

Wirtschaftswissenschafter scheinen grundsätzlich neugierige Menschen zu sein. Das führt manchmal zu recht kuriosen Ergebnissen, zum Beispiel, wenn sie Geschlechterunterschiede mit Tennisstatistiken erklären wollen. Auch der Ökonom Robert Oxoby von der Universität Calgary hat eine ungewöhnliche Fragestellung gewählt: Er wollte herausfinden, ob Bon Scott oder Brian Johnson der bessere Lead-Sänger der Heavy-Metal-Gruppe AC/DC war. Scott war der ursprüngliche Sänger, der 1980 starb und dann durch Johnson ersetzt wurde. Seither herrscht unter Fans eine endlose Debatte, wer von beiden begabter war. Doch die Debatte hat dank Oxoby jetzt ein für alle Mal ein Ende: Probanden führten ein simples ökonomisches Experiment durch, bei dem sie entweder mit AC/DC-Songs von Scott oder Johnson beschallt wurden. Das eindeutige Ergebnis:

Having participants listen to songs by AC/DC in which Brian Johnson served as vocalist results in participants realizing more efficient outcomes. Thus, in terms of a singer’s ability to implemente efficient behavioral outcomes among listeners, our results suggest that Brian Johnson was a better vocalist than Bon Scott.

Zum Glück herrscht nun endlich Klarheit in dieser wichtigen Frage! [via]

UPDATE: Ach, schade: Wie sich herausgestellt hat, war die Studie nur ein Witz. In den Kommentaren zu diesem Post (Nr. 14) erklärt Oxoby, wie es dazu gekommen ist.

Dienstag, 31. Juli 2007

Wie erkläre ich einem, ähh, Affen ein kompliziertes Modell??

Quizfrage: Um welches Thema geht es in dem wissenschaftlichen Artikel, aus dem das folgende Zitat stammt:

If [the] forest is heterogeneous, with some dense areas and other more-deserted ones, and if monkeys can jump only limited distances, then monkeys may be unable to move through the forest.

Nein, nicht um Affen. Oder Wälder. Der Artikel aus Science beschreibt, wie die Fähigkeit eines Landes, bestimmte Produkte (Bäume) herzustellen, als Netzwerk (Wald) dargestellt werden kann, wobei zwei Bäume näher beieinander liegen, wenn die Fähigkeiten zur Herstellung der beiden Produkte sich ähneln. Die Firmen (Affen) im Land entwickeln sich dann, indem sie neue Produkte zu produzieren beginnen (von Baum zu Baum springen). Weil Entwicklungsländer oftmals Produkte produzieren, die an den äusseren Rändern dieses Netzwerkes liegen, haben sie Mühe, sich in Richtung der Produkte im Zentrum zu bewegen.

[via]

Mittwoch, 27. Juni 2007

Wenn Ökonomen Tennis spielen

Wie erklärt man den immer noch beträchtlichen Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in vergleichbaren Positionen? Mit Diskriminierung? Oder unterschiedlichen Präferenzen der Geschlechter? Nein: Mit Tennis.
Frauen, so die These des israelischen Ökonomen Daniele Paserman, verhalten sich in in hoch kompetitiven Situationen defensiver und zurückhaltender als Männer. Um dies zu belegen, greift Paserman zu Tennisstatistiken. Weil im Tennis nicht jeder Punkt gleich wichtig ist (ein Spielball im letzten Game eines Satzes ist entscheidender als der erste Punkt eines Matches), eignet sich die Sportart zur Untersuchung von unterschiedlich kompetitiven Situationen. Pasermans Fazit nach Auswertung von 240 Tennisspielen: Während die Spielart von Männern unabhängig von der Spielsituation konstant bleibt, machen Frauen bei entscheidenden Punkten signifikant mehr unerzwungene Fehler als bei weniger wichtigen.