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Dienstag, 23. Oktober 2007

Gott sorgt für Wirtschaftswachstum

Also gut: Nicht wirklich Gott selber, aber zumindest der Glaube an ihn. Präziser: Der Glaube nur an ihn, und nicht an mehrere Götter. Das behauptet auf jeden Fall der Ökonom Murat Iyigun (für extrem treue Leser dieses Blogs mit extrem gutem Gedächtnis: Das ist der, der einen Zusammenhang zwischen den Ottomanen und dem Protestantismus konstruiert hat) in einem neuen Paper (via Borjas). Das Aufkommen monotheistischer Religionen, so Iyigun, habe die ökonomische Entwicklung in den jeweiligen Weltreligionen angetrieben. Und zwar aus zwei Gründen: Einerseits habe der Monotheismus den Aufbau religiöser Machtstrukturen begünstigt, die wiederum für eine gewisse politische Stabilität sorgten. Und andererseits habe der Glaube an ein Leben nach dem Tod die persönliche Verantwortlichkeit der Menschen erhöht - im Klartext: Wer betrügt, muss auch nach dem Tod dafür büssen. Dies führte dann zu mehr Vertrauen unter den Marktteilnehmern, was das Wachstum begünstigte. - Ich bin sicher, die katholische Kirche wird über die Forschungsergebnisse hoch erfreut sein.

Montag, 15. Oktober 2007

Kann man Geschichte bloggen?

Die kurze Antwort: Natürlich kann man - in einem Blog lässt sich über alles schreiben. Trotzdem scheint es nicht viele Blogs zu geben, die sich mit Geschichte beschäftigen (oder ich habe sie einfach noch nicht gefunden). Auf einen bin ich allerdings kürzlich gestossen (via Krusenstern): A Soviet Poster A Day. Darin liefert Alexander Sacharow genau, was er verspricht: Ein Plakat aus der Sowjetunion pro Tag, versehen mit knapp gehaltenen, aber informativen Erläuterungen und historischem Hintergrund. Dadurch entsteht eine leicht zu lesende und ungeheuer spannende Geschichts-Collage. Und genau das soll (und kann) ein Geschichts-Blog wohl liefern.

Dienstag, 7. August 2007

In der Falle des Malthus

Warum kam es zur Industriellen Revolution? Die Antwort liegt in der Evolutionstheorie, sagt der Historiker Gregory Clark in einem neuen Buch, dass die New York Times bespricht. Vor der Industriellen Revolution war die englische Gesellschaft (die Clark untersucht) in der Malthus'schen Bevölkerungsfalle gefangen: Jedesmal, wenn technologischer Fortschritt die Produktivität erhöhte, stieg auch die Bevölkerungszahl und hielt damit das Pro-Kopf-Einkommen konstant. Über die Jahrhunderte, so kann Clark belegen, veränderte sich aber die Bevölkerung, weil tendenziell die Kinder der Reicheren überlebten. Damit - und mit diesem Argument begibt sich Clark auf dünnes Eis - verbreitete sich durch genetische oder kulturelle Vererbung ein neues Set von Werten in der Bevölkerung (wie etwa Vorsicht, Tüchtigkeit und eine Präferenz für Sparen über Konsum), welche es schlussendlich ermöglichten, den technologischen Fortschritt entscheidend zu beschleunigen. - Clarks These ist zwar interessant, aber sie scheint mir etwas gar simpel. Können sich Werte tatsächlich durch eine Gesellschaft "durch" vererben? Und haben wirklich die Reichen solche Werte besessen? Was unterschied den englischen Fall von anderen Ländern?

Sonntag, 1. Juli 2007

Schöner leben dank den Ottomanen

Das Aufkommen des Protestantismus in Europa fiel zeitlich mit der Blütezeit des Ottomanischen Reiches im 15. und frühen 16. Jahrhunderts zusammen, das in dieser Zeit auch eine ernst zu nehmende militärische Bedrohung für die Europäer darstellte. Einige Historiker argumentieren deshalb, dass die Gefahr von aussen die Entwicklung neuer religiöser Institutionen begünstigt hat. Murat Iyigun, Ökonomie-Professor aus Colorado, hat versucht, diese These empirisch zu überprüfen:

I find strong empirical support for the idea that Ottoman military engagements in continental Europe lowered the number and extent of violent conflicts among and within the European states. Ottomans’ influence in Europe extended to the feud between the Protestant Reformers and the Catholic establishment: during the time between the birth of Lutheranism and the end of the Thirty-Years War, the likelihood and timing of military engagements between the Protestant Reformers and the Counter-Reformation forces depended negatively and statistically significantly on Ottomans’ military activities in Europe.
[via]