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Freitag, 26. Oktober 2007

Wenn die Linken doch nur nett wären

Offensichtlich sind sie, zumindest in Zürich, aber schlicht und ergreifend dumm. Wie ist es anders zu erklären, dass sie so leichtfertig die einzige reelle Chance, den zweiten Ständeratssitz zu erobern, verspielt haben? Sowohl die hinter Ueli Maurer (SVP) zweitplatzierte Chantal Galladé (SP) als auch die drittplatzierte Verena Diener (GLP) haben ihr Ego über alles gestellt und treten im zweiten Wahlgang nochmals an. Die logische Konsequenz dieses amateurhaften Trauerspiels: Maurer ist so gut wie gewählt. Denn die Stimmen des Mitte-Links-Lagers werden sich auf die beiden Kandidatinnen verteilen. Und nach der unwürdigen Darbietung von dieser Woche wird es wohl einige Wähler, wie zum Beispiel mich, geben, die ganz darauf verzichten, einer der beiden die Stimme zu geben.

UPDATE: Es ist alles ganz anders.

Freitag, 7. September 2007

Mit besten Grüssen aus dem Herz der Finsternis!

Es ist Wahlkampf in der Schweiz, diese wunderbare Zeit alle vier Jahre, in der sich die politischen Opponenten mit "Geheimplan"-Vorwürfen bewerfen - und wo auch die ausländische Presse zumindest ein marginales Interesse an der Schweizer Politik entwickelt. "Ist die Schweiz Europas Herz der Finsternis?" fragt der britische Independent heute. Hintergrund ist die Ausschaffungsinitiative der SVP und insbesondere das infame Schafs-Plakat dazu, das nun offensichtlich den Rassismus-Spezialberichterstatter der Uno aufgeschreckt hat. Der Independent-Artikel ist dann aber nicht ganz so übel, wie der Titel vermuten lässt. Zwar stützt sich der Autor in grossen Teilen auf ein Gespräch mit dem sogar für seine Partei sehr rechts stehenden SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer - aber er hat sich immerhin auch die Mühe gemacht, ein paar andere Leute zu befragen. Sein Fazit: Ausschaffungs- und Minarett-Initiativen in der Schweiz seien nur der Ausdruck einer tiefen Identitätskrise, welche die ganze westliche Welt erfasst hat.

[via]

Montag, 27. August 2007

Verträge für Politiker

Kürzlich löste der Ökonom Bryan Caplan eine heftige Debatte aus (zumindest in den USA), weil er in einem Buch eine Mehrheit der Wähler als irrational bezeichnete und daraus folgerte, Politik-Entscheidungen in Demokratien, die eben von den Wählern getroffen werden, seien selten optimal. Auch der Schweizer Wirtschaftsprofessor Hans Gersbach erkennt im demokratischen System Verbesserungsbedarf, aber nicht bei den Wählern, sondern bei den Politikern: Die kümmerten sich zu oft nur um ihre Wiederwahl, anstatt längerfristige Probleme anzupacken. An der Urne werden sie für solches Verhalten kaum je bestraft. Gersbachs Lösungsvorschlag, den er in der NZZ vom Samstag vorstellt: Politiker sollen im Wahlkampf bindende Verträge mit dem Volk abschliessen. Nur wenn sie diese einhalten, bekommen sie eine Belohnung oder werden überhaupt erst zur nächsten Wahl zugelassen. Die Idee ist interessant - aber, wie Gersbach selber schreibt, es bleiben einige Stolpersteine: Politische Ziele, die sich nicht eindeutig messen lassen, taugen nichts für solche Verträge und werden darum vernachlässigt. Und Rahmenbedingungen können ändern, und einstmals in einem bindenden Vertrag festgelegte Lösungen sind vielleicht nicht mehr sinnvoll.

Sonntag, 1. Juli 2007

Wer ist Hillary Clinton?

Natürlich weiss jeder, wer Hillary Clinton ist. Aber - so fragen die Medien, wie meistens bei bekannten Personen - wissen wir, wer sie wirklich ist? Die (vermeintliche) Antwort folgt in unzähligen Porträts und (bisher) etwa drei Dutzend Büchern über die ehemalige First Lady, Senatorin und Präsidentschaftskandidatin. Trotz dieser Informationsflut scheint Clinton aber ein Rätsel zu bleiben: "Can we know her?" überschreibt die New York Review of Books ihre Rezension der zwei neuesten Hillary-Biografien, eine davon verfasst von Reporter-Legende Carl Bernstein. Die Weltwoche, die ebenfalls Bernsteins Buch gelesen hat, betitelt Clinton als "Auster" und attestiert ihr die "Emotionalität einer Parkuhr". Diese Unzugänglichkeit, argumentiert der Economist, sei der Grund, weshalb Clinton in den USA von links wie von rechts angefeindet werde wie kein anderer Präsidentschaftskandidat. Trotzdem seien Hillarys Chancen auf die Präsidentschaft immer noch intakt. Und bis dorthin wird wohl noch mancher Journalist versuchen, die "wahre" Hillary Clinton zu entdecken.

Freitag, 29. Juni 2007

Was die Welt denkt

Das Meinungsforschungsinstitut Pew Research hat seinen zweiten Bericht zu "Global Attitudes" veröffentlicht, für den in 47 Ländern über 45'000 Personen befragt wurden. Im Vergleich zum ersten Bericht 2002 machen sich massiv mehr Personen sorgen um die Umwelt und den grösser werdenden Graben zwischen Arm und Reich, während die Angst vor Atomwaffen, AIDS und religiösen oder ethnischen Konflikten abgenommen hat. Das Image der USA hat weiter gelitten (das Land wird auch für die Klimaerwärmung verantwortlich gemacht). Aber auch China wird nicht nur wachsender Einfluss in der Welt zugemessen, sondern auch zunehmende Skepsis entgegengebracht - auch wenn in den meisten Ländern Chinas Einfluss positiver gewertet wird als derjenige der USA. Abgesehen von diesen grossen Trends finden sich im Bericht auch viele interessante Details: So ist die Haltung gegenüber den USA im Libanon stark von der Religion der Befragten abhängig.

UPDATE: Für die New York Times sind die Ergebnisse des Berichts Grund zur Sorge.

[via Dani Rodrik]

Dienstag, 19. Juni 2007

Trottel an der Urne, Teil II

Einige Nachträge zu diesem Post (manchmal sind 150 Worte halt doch nicht genug): Kevin Drum vom Washington Monthly übt ebenfalls Kritik an Bryan Caplans Buch, indem er erklärt, es gebe einen Unterschied zwischen "rational" und "gut": Während die Menschen sich im Wirtschaftsleben rational verhielten (und dabei eigennützig, fies und fremdenfeindlich sein könnten), hätten sie an der Urne ihre "gute" Seite hervorzukehren und für Mindestlöhne zu stimmen. Jason Furman widerspricht im Economist-Blog Free Exchange heftig: Rational handelnde Menschen könnten sich Fiesheit und Fremdenfeindlichkeit im Wirtschaftsleben nicht leisten - weil damit Kosten verbunden seien. Die Urne sei genau deshalb der Ort, um solche Gefühle auszuleben, weil man dort nicht für die Konsequenzen seines Handelns bezahlen müsse. Mit dieser Argumentation hat Furman zwar bis zu einem gewissen Grad wohl recht. Mir scheint aber nach wie vor, dass Menschen auch rational gegen Politik stimmen können, die eine Wohlfahrtsverbesserung für die ganze Gesellschaft bringen würde, weil sie befürchten, dadurch selbst Verluste in Kauf nehmen zu müssen.

Montag, 18. Juni 2007

Trottel an der Urne?

Das System der Demokratie baut darauf, dass die Entscheidungen der Mehrheit der Wähler richtig und gut sind - zumindest in den meisten Fällen. Die Annahme baut nicht nur auf das rationale Verhalten des Einzelnen, sondern auch auf die "Weisheit der Massen". Doch das sei Blödsinn, argumentiert der Ökonom Bryan Caplan in seinem neuen Buch "The Myth of the Rational Voter" (zumindest gemäss der Besprechung im Economist). Im Verhalten der schlecht ausgebildeten, aber die Mehrheit stellenden Wähler identifiziert Caplan vier systematische Fehler, die zu (gesamtgesellschaftlich) schlechten Politik-Entscheidungen führen - etwa eine verzerrte Haltung gegenüber dem freien Markt.

Natürlich ist bei Kritik Vorsicht angebracht, wenn man das Buch selbst nicht gelesen hat. Dennoch: Mir scheint, dass Caplan davon ausgeht, die Wähler würden sich dann rational verhalten, wenn sie Entscheidungen treffen, welche der gesamten Gesellschaft nützen. Individuen sind aber - wenn schon - darauf aus, ihren Eigennutzen zu maximieren. Und diese beiden Ziele können sich durchaus widersprechen.