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Donnerstag, 11. Oktober 2007

Macht Alexander Segert zum Werber des Jahres

Alexander Segert ist Geschäftsführer der Werbeagentur Goal, welche die inzwischen berüchtigten Schaf-Plakate der SVP entworfen hat (nun gut, die Schafe hat er geklaut, aber sei's drum). Für diese Leistung sollte er, finde ich, zum Werber des Jahres gekürt werden. Nicht, weil mir das Schafs-Plakat gefällt - es ist dumm, rassistisch und spricht die primitivsten Instinkte an. Aber mit dem Schafs-Plakat haben Segert und die SVP ein Marketing-Kunststück vollbracht: Sie dominieren damit nicht nur den (in der Konsequenz völlig inhaltsfreien) Wahlkampf - sie haben den Medien und sogar ihren Gegnern ihren politischen Symbolismus aufgezwungen. Die italienische Stampa bezeichnet die Schweiz als "das schwarze Schaf Europas". Die in eine Strassenschlacht ausgeartete Anti-SVP-Demonstration wurde vom Komitee Schwarzes Schaf organisiert, das auch T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck verkauft. Und unter der Adresse www.schwarzes-schaf.ch wirbt SP-Nationalratskandidat Andrew Katumba für sich. Damit ist das Schaf endgültig vom Werbeslogan zum allgemeinen Schlagwort geworden - das grösste Kompliment, dass man einer Werbekampagne machen kann.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Beneidet und bewundert

Hach, Wahlkampf. "Seit vier Jahren ist die Schweiz wieder weltweit Spitze, beneidet und bewundert", schreibt die SVP in einem Inserat in der aktuellen Weltwoche. Diese erfreuliche Entwicklung sei natürlich ausschliesslich dem vor vier Jahren gewählten SVP-Bundesrat Blocher zu verdanken. Weltweit bewundert? "Ist die Schweiz Europas Herz der Finsternis?", fragte der britische Independent unlängst, und bezog sich damit natürlich auf eine SVP-Initiative. Die NZZ hat weitere Beispiele ausländischer Verehrung gesammelt: Für die italienische Stampa ist die Schweiz "isolationistisch" und das "schwarze Schaf Europas", die Financial Times Deutschland erkennt "fremdenfeindliche Propaganda" und der Spiegel nennt Blocher einen "Alleskleinhacker". Schön, wenn man so bewundert wird!

Freitag, 7. September 2007

Mit besten Grüssen aus dem Herz der Finsternis!

Es ist Wahlkampf in der Schweiz, diese wunderbare Zeit alle vier Jahre, in der sich die politischen Opponenten mit "Geheimplan"-Vorwürfen bewerfen - und wo auch die ausländische Presse zumindest ein marginales Interesse an der Schweizer Politik entwickelt. "Ist die Schweiz Europas Herz der Finsternis?" fragt der britische Independent heute. Hintergrund ist die Ausschaffungsinitiative der SVP und insbesondere das infame Schafs-Plakat dazu, das nun offensichtlich den Rassismus-Spezialberichterstatter der Uno aufgeschreckt hat. Der Independent-Artikel ist dann aber nicht ganz so übel, wie der Titel vermuten lässt. Zwar stützt sich der Autor in grossen Teilen auf ein Gespräch mit dem sogar für seine Partei sehr rechts stehenden SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer - aber er hat sich immerhin auch die Mühe gemacht, ein paar andere Leute zu befragen. Sein Fazit: Ausschaffungs- und Minarett-Initiativen in der Schweiz seien nur der Ausdruck einer tiefen Identitätskrise, welche die ganze westliche Welt erfasst hat.

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