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Mittwoch, 12. Dezember 2007

Chronik einer angekündigten Fehlleistung

Dass die Vereinigte Bundesversammlung Christoph Blocher tatsächlich nicht als Bundesrat wieder wählen würde, konnte man nicht unbedingt erwarten. Dass die Schweizer Medien bei der Berichterstattung über die Wahl online keinen besonders guten Eindruck hinterlassen würden, war aber zu befürchten. Eine kleine Chronik, ausnahmsweise mit mehr als 150 Worten und vielen Bildli.

[09:00] Es ist Zeit, während dem ersten Kaffee einen Überblick zu gewinnen. Am besten also via Fernsehen die Wahl anschauen. Doch Zattoo macht bereits schlapp. Das kann zugegebenermassen auch an meiner Internet-Verbindung liegen. Also Wechsel in die Bibliothek der Universität Genf, wo das WiFi-Netz nur so flutscht.

[09:30] Der Livestream von Radio DRS ist offensichtlich schon überlastet, meldet der Wortfechter via Twitter. Ebenso die Website parlament.ch. Auf den Webseiten der grossen Schweizer Zeitungen herrscht noch Normalbetrieb. Nur 20 Minuten und der Blick haben spezielle Live-Ticker für die Wahlen eingerichtet, die sich auch selbständig aktualisieren. Allerdings sind die Links dazu so gut versteckt, dass ich sie erst nach geraumer Zeit finde. Wer bei 20 Minuten auf den blinkenden "Live"-Button neben der Titelstory klickt, erhält die sehr hilfreiche Erklärung, es handle sich hierbei um ein laufendes Ereignis, und man solle doch bitte den "Reload"-Button klicken, um die aktuellsten Informationen zu erhalten. Grrrr.

[ca 10:20] Nun wird es langsam interessant. Der Tagi und 20 Minuten melden, dass Eveline Widmer-Schlumpf im ersten Wahlgang mehr Stimmen erhalten hat als Blocher. Die NZZ ist noch nicht so weit, folgt aber bald. Die Spannung steigt weiter. Was wird passieren?

[10:42] Der 20 Minuten-Live-Ticker auf meinem Bildschirm verkündet: "Gewählt ist Eveline Widmer-Schlumpf". Was? Kann das denn wirklich sein? Oder ist das nur ein Fehler? Ich lade die Frontpage von 20 Minuten, um Bestätigung zu erhalten. Nach 90 Sekunden ist die Seite geladen - und sieht so aus:

Sowohl das "Schweiz"-Ressort als auch der Newsticker melden: "0". Toll.

[10:50] Bleibt weiterhin die Frage: Ist Blocher nun wirklich abgewählt? NZZ Online ist zuerst nicht erreichbar, liefert dann aber doch noch die erste Bestätigung, in Form einer tatsächlich sehr eiligen Eilmeldung:

"Bundesrat Blocher abgewählt". Das trifft zwar den Nagel auf den Kopf - aber was soll all dieser Weissraum rundherum? Der Tages-Anzeiger hat derweil schon einen ganzen Anriss mit Bild auf der Front, doch als ich die Story anklicke, kommt das:

Die Server an der Werdstrasse haben sich offensichtlich ins Nirvana verabschiedet und lassen in den nächsten Minuten auch nichts mehr von sich hören. Vielleicht hatte die immerhin 30-köpfige Online-Redaktion von 20 Minuten in der Zwischenzeit die Gelegenheit, ihre Frontseite zu, ähhh, verbessern? Offensichtlich nicht:

[11:00] Auch NZZ Online hat etwas Ladehemmung, also schaue ich mal nach, was der Blick so treibt. Nach geschlagenen vier Minuten Ladezeit sieht mein Bildschirm dann so aus:

Naja, immerhin. Ein bisschen viel Grau und Weiss, aber das Wichtigste steht ja da.

[11:14] 20Minuten.ch ist wieder da, inklusive Liveticker. Die (wie schon mal erwähnt 30-köpfige) Online-Redaktion hat sich Mühe gegeben und ein etwa 10-zeiliges Update zu Widmer-Schlumpfs Wahl gedichtet, das vor Tippfehlern nur so strotzt. NZZ Online ist wieder stabil und hat ein vollständiges Update. Und die Tagi-Website ist immer noch down.

[11:28] Der 20 Minuten-Liveticker meldet die Wahl Doris Leuthards. Auf der Artikel-Seite von 20 Minuten nimmt man das zum Anlass, noch ein paar Tippfehler mehr in den Text reinzukorrigieren. Unter anderem steht da etwas von der Wahl der Bundesrätin "Leuthart". Autsch.

[11:30] Hey, der Tagi ist wieder da! Nur eine halbe Stunde Downtime - das kann ja mal passieren. Das Timing war allerdings etwas schlecht. Und, ach, der Blick hatte doch auch mal noch einen Live-Ticker? Schauen wir rein:

Die letzte Meldung stammt von 11:07 und verkündet die Wahl von Hans-Rudolf Merz ("das beste Reultat [sic!] des Tages"). Das versteht der Blick also unter Live.

[11:40] NZZ Online entschuldigt sich auf der Frontpage für die "technische Störung wegen Überlastung".

[11:44] 20 Minuten übt sich in hektischem Aktivismus, aktualisiert die Seite etwa alle zweieinhalb Minuten, besteht aber immer noch darauf, eine gewisse Bundesrätin "Leuthart" sei wiedergewählt worden. Seufz.

[11:45] Aus studientechnischen Gründen muss ich mich vom Internet losreissen. Würde gerne die SMS-Updates der NZZ abonnieren, aber die entsprechenden Informationen sind bereits von der Seite verschwunden. Muss mich also auf den SMS-Dienst meines selber gebastelten Tagi-Twitter-Kanals verlassen. Der bombardiert mich in den nächsten zweieinhalb Stunden mit allen möglichen Nachrichten - ausser zur Bundesratswahl. Bleibe trotzdem auf dem Laufenden, dank SMS-Informationen von Evelyn.

[14:35] Endlich wieder online, Normalisierung an allen Fronten. Die NZZ hat bereits eine Analyse und etwa 80 Leserkommentare publiziert. 20 Minuten erklärt, warum Micheline Calmy-Rey beim Schwur die Hände unten liess. Die Tagi-Website ist immer noch etwas langsam.

[15:35] Der Tagi-Twitter meldet per SMS: "Demütigung für Blocher".

FAZIT: Dass die Bundesratswahl einiges an Spannung verspricht, war schon lange klar - auch wenn kaum jemand mit diesem Ergebnis gerechnet hatte. Die Online-Redaktionen der grossen Schweizer Medien hätten also Gelegenheit gehabt, mit gut vorbereiteten Sonderdienstleistungen zu brillieren. Diese Chance haben sie aber leider verpasst. Sie liessen sich im Gegenteil von den Ereignissen überrumpeln - und zwar sowohl auf technischer wie auch auf inhaltlicher Ebene.

UPDATE: Auch die Berichterstattung von ausländischen Medien zur Bundesratswahl bewegt sich auf einem, nun ja, diskutablen Niveau.

UPDATE #2: Der beste Kommentar, den ich bis jetzt zu den heutigen Ereignissen gelesen habe, stammt nicht von einem "klassischen" Medium, sondern von einem Blog.

Freitag, 26. Oktober 2007

Galladé zeigt Grösse

Ich nehme alles, was ich heute morgen geschrieben habe, zurück. Chantal Galladé hat ihren Verzicht auf eine Ständeratskandidatur bekannt gegeben. Damit bleibt nur noch Verena Diener übrig, die alleine tatsächlich eine ernsthafte Gegnerin für Ueli Maurer ist. Man muss Galladé zu dieser (vermutlich nicht ganz einfachen) Entscheidung gratulieren. Und gleichzeitig sich die Frage stellen: War das ganze Theater in dieser Woche zwischen den beiden Kandidatinnen am Ende nur eine Inszenierung?

Wenn die Linken doch nur nett wären

Offensichtlich sind sie, zumindest in Zürich, aber schlicht und ergreifend dumm. Wie ist es anders zu erklären, dass sie so leichtfertig die einzige reelle Chance, den zweiten Ständeratssitz zu erobern, verspielt haben? Sowohl die hinter Ueli Maurer (SVP) zweitplatzierte Chantal Galladé (SP) als auch die drittplatzierte Verena Diener (GLP) haben ihr Ego über alles gestellt und treten im zweiten Wahlgang nochmals an. Die logische Konsequenz dieses amateurhaften Trauerspiels: Maurer ist so gut wie gewählt. Denn die Stimmen des Mitte-Links-Lagers werden sich auf die beiden Kandidatinnen verteilen. Und nach der unwürdigen Darbietung von dieser Woche wird es wohl einige Wähler, wie zum Beispiel mich, geben, die ganz darauf verzichten, einer der beiden die Stimme zu geben.

UPDATE: Es ist alles ganz anders.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Macht Alexander Segert zum Werber des Jahres

Alexander Segert ist Geschäftsführer der Werbeagentur Goal, welche die inzwischen berüchtigten Schaf-Plakate der SVP entworfen hat (nun gut, die Schafe hat er geklaut, aber sei's drum). Für diese Leistung sollte er, finde ich, zum Werber des Jahres gekürt werden. Nicht, weil mir das Schafs-Plakat gefällt - es ist dumm, rassistisch und spricht die primitivsten Instinkte an. Aber mit dem Schafs-Plakat haben Segert und die SVP ein Marketing-Kunststück vollbracht: Sie dominieren damit nicht nur den (in der Konsequenz völlig inhaltsfreien) Wahlkampf - sie haben den Medien und sogar ihren Gegnern ihren politischen Symbolismus aufgezwungen. Die italienische Stampa bezeichnet die Schweiz als "das schwarze Schaf Europas". Die in eine Strassenschlacht ausgeartete Anti-SVP-Demonstration wurde vom Komitee Schwarzes Schaf organisiert, das auch T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck verkauft. Und unter der Adresse www.schwarzes-schaf.ch wirbt SP-Nationalratskandidat Andrew Katumba für sich. Damit ist das Schaf endgültig vom Werbeslogan zum allgemeinen Schlagwort geworden - das grösste Kompliment, dass man einer Werbekampagne machen kann.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Beneidet und bewundert

Hach, Wahlkampf. "Seit vier Jahren ist die Schweiz wieder weltweit Spitze, beneidet und bewundert", schreibt die SVP in einem Inserat in der aktuellen Weltwoche. Diese erfreuliche Entwicklung sei natürlich ausschliesslich dem vor vier Jahren gewählten SVP-Bundesrat Blocher zu verdanken. Weltweit bewundert? "Ist die Schweiz Europas Herz der Finsternis?", fragte der britische Independent unlängst, und bezog sich damit natürlich auf eine SVP-Initiative. Die NZZ hat weitere Beispiele ausländischer Verehrung gesammelt: Für die italienische Stampa ist die Schweiz "isolationistisch" und das "schwarze Schaf Europas", die Financial Times Deutschland erkennt "fremdenfeindliche Propaganda" und der Spiegel nennt Blocher einen "Alleskleinhacker". Schön, wenn man so bewundert wird!

Freitag, 14. September 2007

...und man weiss nicht, ob man lachen oder weinen soll

Eine kreative Strategie verdient einen kreativen Namen. Haben sich wohl die Verantwortlichen von Tamedia, Espace und Basler Zeitung gedacht und betiteln ihre neue Gratiszeitung für den Schweizer Markt (ist ja erst die vierte...) mit "News". Toll. Und eigentlich gibt es zu diesem erbärmlichen Geldvernichtungsspektakel nicht mehr viel mehr zu sagen, als Andreas Göldi schon geschrieben hat.

Freitag, 7. September 2007

Mit besten Grüssen aus dem Herz der Finsternis!

Es ist Wahlkampf in der Schweiz, diese wunderbare Zeit alle vier Jahre, in der sich die politischen Opponenten mit "Geheimplan"-Vorwürfen bewerfen - und wo auch die ausländische Presse zumindest ein marginales Interesse an der Schweizer Politik entwickelt. "Ist die Schweiz Europas Herz der Finsternis?" fragt der britische Independent heute. Hintergrund ist die Ausschaffungsinitiative der SVP und insbesondere das infame Schafs-Plakat dazu, das nun offensichtlich den Rassismus-Spezialberichterstatter der Uno aufgeschreckt hat. Der Independent-Artikel ist dann aber nicht ganz so übel, wie der Titel vermuten lässt. Zwar stützt sich der Autor in grossen Teilen auf ein Gespräch mit dem sogar für seine Partei sehr rechts stehenden SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer - aber er hat sich immerhin auch die Mühe gemacht, ein paar andere Leute zu befragen. Sein Fazit: Ausschaffungs- und Minarett-Initiativen in der Schweiz seien nur der Ausdruck einer tiefen Identitätskrise, welche die ganze westliche Welt erfasst hat.

[via]

Mittwoch, 29. August 2007

"L'Hebdo" übernachtet bei den Kandidaten


Im Oktober sind in der Schweiz National- und Ständeratswahlen, und die Medien rüsten sich mit spezieller Wahlkampf-Berichterstattung für das grosse Ereignis. Der Tagi hat ein Dossier aufgeschaltet, und die NZZ lässt in ihrem Politblog die Politiker selber bloggen. Gähn.
Ein Blick über den Röstigraben täte den Zürchern gut: Dort hat das Magazin "L'Hebdo" ein wirklich spannendes Experiment gestartet. Im Hebdo-Blog "Blog & Breakfast" berichten ALLE Hebdo-Berichterstatter, ob sie sonst über Politik, Kultur oder Wirtschaft schreiben, von ihren Übernachtungen bei den Kandidaten in der ganzen Schweiz - jeden Tag, in Text, Bild und Videos. Bruno Giussani berichtet ausführlich über das Projekt. Die Einträge im Blog sind "geotagged", also auf einer interaktiven Landkarte eingezeichnet und können auch so abgerufen werden. Und anstatt weitschweifige politische Analysen zu liefern, zeichnen die Autoren des Blogs hautnahe Kandidatenporträts, die durchaus auch etwas subjektiv gefärbt sein können. Kein Ersatz für die klassische Wahlberichterstattung, natürlich - aber eine wunderbare Ergänzung!

Mittwoch, 15. August 2007

Was sollen wir bloss mit all dem Papier machen?

Für einmal gute Nachrichten - hauptsächlich für Holzfäller im Regenwald und Putzequipen in öffentlichen Verkehrsmitteln, die wieder viel mehr zu tun haben werden. Denn die Schweiz bekommt nochmals eine Gratiszeitung. Neben 20 Minuten und heute und "Punkt CH", das in einem Monat startet, wollen die Verlage Tamedia (dem schon 20 Minuten gehört), Espace und Basler Zeitung eine neue kostenlose Tabloid-Zeitung lancieren. Damit werden wohl vor allem die grossen Städte regelrecht überflutet. Rechnen wir nach: Die Auflage von 20 Minuten soll bis im Herbst auf 550'000 steigen. heute ist bei etwa 200'000 (oder mehr), Punkt CH soll mit 425'000 Exemplaren starten. Geht man davon aus, dass die Auflage der neuen Zeitung mindestens so hoch sein wird, kommt man auf 1,6 Millionen Gratiszeitungen. In der Deutschschweiz. Pro Tag. Ob sich damit der Marktanteil der Gratiszeitungen in der Schweiz, der mit knapp 40 Prozent im europäischen Vergleich schon recht hoch ist, sprunghaft erhöhen wird, ist unwahrscheinlich. Der ganze Materialverschleiss dient einzig einem Verdrängungskampf auf dem Markt. Längerfristig wird kaum mehr als eine Gratiszeitung überleben. Viele Beteiligte werden also viel Geld verdienen - das sie wohl besser in andere Projekte gesteckt hätten.

UPDATE: Auch Martin Hitz findet den Wettlauf der Gratiszeitungen absurd. Und die Blattkritiker schrauben schon mal ihre Ansprüche herunter.

UPDATE 2: "Am wenigsten freuen werden sich die Bäume, deren Beschützer und diejenigen, die das ganze Altpapier wegräumen müssen", schreibt Ronnie Grob in seinem Post über die neue Gratiszeitung. Wenn ich's nicht besser wüsste, würde ich denken, dass er meinen Text gelesen hat :-)

UPDATE 3: Bei der Berechnung ist CASHdaily vergessen gegangen (Auflage ca. 75'000 Exemplare). Danke an Claudio für den Hinweis!

Samstag, 4. August 2007

www.dasistdochkeintitel.ch

Walter Hagenbüchles Leitartikel in der heutigen NZZ über Jugendgewalt als Wahlkampfthema in der Schweiz ist mit einem kuriosen Titel überschrieben: "www.jugendgewalt.wahlen.ch" (online nicht zugänglich). Nun sind URLs als Titel schon typographisch eine fragwürdige Sache. Hier wurde der Titel zudem wohl nicht mit der Absicht gesetzt, auf eine reale Internet-Seite zu verweisen, sondern um das medial aufgeblasene Thema Jugendgewalt zu symbolisieren. Fiktive URLs zu verwenden ist aber ausserordentlich heikel. Nicht nur, weil man Leser, die der Adresse folgen, in eine digitale Sackgasse schickt (das würde hier sogar noch die Aussage des Artikels unterstützen...). Sondern auch, weil irgendjemand die fiktive URL zu einer realen machen kann - ohne dass man selbst Kontrolle über die Inhalte hätte. Und tatsächlich: Wer auf www.jugendgewalt.wahlen.ch klickt, landet auf der Plattform wahlen.ch, einer "unabhängigen und neutralen" Plattform im Besitz der BfK Mediendienste, wo zur Wahl stehende Kandidaten sich und ihre Überzeugungen präsentieren können - gegen ein entsprechendes Entgelt. Mit Jugendgewalt und der NZZ hat das alles gar nichts zu tun. Aber die Verantwortlichen von wahlen.ch freuen sich sicher ausserordentlich über die unabsichtliche Gratis-Werbung.

Mittwoch, 1. August 2007

Wo bleiben die grosszügigen Stimmbürger?

Während die Schweizer Bevölkerung den heutigen Nationalfeiertag jeweils mit dem Abbrennen von Feuerwerk und dem Grillieren von Cervelats begeht, ergeht sich die journalistische Elite des Landes in Betrachtungen über die Lage der Nation. Etwa so: Peter Hartmeier, Chefredaktor des Tages-Anzeigers, stellt in seinem Leitartikel zuerst fest, wie gut es den Schweizern geht und wie grosszügig sie sind, um dann im Weiteren von den Schweizern zu fordern, grosszügig zu sein. Mutig! Visionär!

Hartmeiers Kollege Markus Spillmann von der NZZ wünscht sich derweil aktivere Stimmbürger im Land. Das ist zwar lobenswert, doch nicht nur scheint mir die Diagnose der Wahlabstinenz etwas übertrieben (8 von 10 Schweizern gehen immerhin ab und zu an die Urne), sondern Spillmann unterlässt es auch, einen Hinweis darauf zu geben, wie man die Politiklust der Bürger denn erhöhen könnte. Dass die Umsetzung seiner Forderung, in der Politik auf Spektakel zu verzichten - zugunsten einer "differenzierten und liberalen Politik" - die Wähler in Scharen in die Stimmlokale ziehen wird, darf man wohl bezweifeln.

Freitag, 6. Juli 2007

Mit Steinschleudern gegen Raketen

In seiner aktuellen Medienkolumne in der Weltwoche (online nicht frei zugänglich) mokiert sich Kurt W. Zimmermann über die (nicht existierende) Internet-Strategie der Schweizer Verlagshäuser. Während überall sonst auf der Welt die klassischen Medienkonzerne Milliarden in Web 2.0-Unternehmen investieren, überbieten sich die Schweizer derzeit mit Ankündigungen für neue Gratiszeitungen. In Zimmermanns Worten:

Es kommt einem vor, als wäre man Beobachter eines komparativen Waffengangs. Die Schweizer produzieren eifrig neue Steinschleudern, Pfeilbogen und Hellebarden. Das macht die Auseinandersetzung etwas schwierig, weil der Gegner über lasergesteuerte Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen verfügt.
Leider hat er recht.