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Mittwoch, 31. Oktober 2007

Braucht die NZZ eine Gratiszeitung?

Ich weiss, ich bin etwas spät mit dieser Sache - eigentlich wollte ich ja gar nichts darüber schreiben, aber jetzt tu ich's halt trotzdem. "Finanz und Wirtschaft" zitiert in ihrer aktuellen Ausgabe NZZ-Gruppenleiter Alfred Hümmerich mit der Aussage, die NZZ könne sich vorstellen, eine Gratiszeitung zu lancieren oder zu kaufen. Im letzteren Fall wäre wohl ".ch" das Ziel - die anderen Gratisblättli stehen ja kaum zum Verkauf.

Die Reaktionen auf diese Möglichkeit reichen von ungläubig bis entsetzt. Martin Hitz findet die Idee "zum Schreien", und auf Medienlese kommentiert ein Hugo B.: "Zum Glück bin ich da raus."
Dass die NZZ mit einer Neulancierung zu spät auf einen bereits völlig übersättigten Markt dringen soll, macht tatsächlich keinen Sinn. Und ".ch" zu kaufen, scheint mir bei der unsicheren Zukunft des Blattes angesichts der noch stärker werdenden Konkurrenz von der Tamedia auch nicht unbedingt eine gute Idee zu sein. Die NZZ täte im Gegenteil gut daran, sich zurück zu lehnen und zuzuschauen, wie sich die Gratiszeitungen und ihre Besitzer gegenseitig zerfleischen.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Gedruckt oder geschrieben?

Kürzlich hat der Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, eine Dankesrede gehalten, die manch einer als Generalangriff gegen das Internet interpretiert hat. Tatsächlich macht Schirrmacher das Netz zuerst einmal generell für die Verblödung der Jugend (er formuliert das natürlich etwas eleganter) verantwortlich. Um dann die Rettung zu propagieren: Den "Qualitätsjournalismus", bevorzugterweise in Form der Tageszeitung. Damit verteidige er "das gedruckte, nicht das geschriebene Wort", kritisierte Christian Stöcker auf Spiegel Online. Ganz so einfach scheint mir das jedoch nicht - Schirrmacher anerkennt das Internet nämlich durchaus als Medium: "Es gibt keine schönere Herausforderung für uns als diese: Nicht nur das Internet zu erobern, sondern auch gegenzuhalten und Optionen anzubieten." Das Problem ist vielmehr, das Schirrmacher glaubt, das Erfolgsgeheimnis liege darin, die "Qualität, also: die Inhalte unverändert [zu] lassen". Damit tappt er in die Falle, die das Netz den klassischen Medien stellt. Die Qualität unverändert zu lassen (oder vielleicht, wer weiss, sogar zu erhöhen?), ist eine Sache. Doch nur die Medien, welche ihre Inhalte auch tatsächlich den Möglichkeiten des Netzes anpassen (und nicht einfach nur aus dem Print herüberkopieren), werden in Zukunft noch etwas zu sagen haben.

Danke an Matthias für die Hinweise.

PS. Ja, ich weiss, das sind 184 Worte. Aber es ging irgendwie nicht kürzer.

Montag, 29. Oktober 2007

Viel Neues im Westen

Nun ist "DerWesten", das Online-Portal der WAZ Mediengruppe, also endlich gestartet. Die versammelte deutschsprachige Blogosphäre schreibt sich darüber bereits die Finger wund. Deshalb nur ein paar erste Eindrücke:

Aufgeräumtes, schlankes Design. Multimediale Inhalte. Blogs. Tagging. Geo-Tagging. Ein Bereich für nutzergenerierte Inhalte. Viele verschiedene Feeds (nach Themen oder Städten). Blogs (unter anderem ein Korrekturblog).

Klar, das ist alles nicht wahnsinnig innovativ und insgesamt vielleicht "kein grosser Wurf". Aber wenn man sich so die anderen Websites von Zeitungen in Deutschland und der Schweiz anschaut, dann ist "DerWesten" eigentlich doch ziemlich gut gemacht.

Samstag, 29. September 2007

Rechtshänder-Galerie

Gefunden auf NZZ Online.

Montag, 24. September 2007

Dumme Schlagzeilen

Na gut, einverstanden: Einen Friedensnobelpreis (oder sonst irgendeine Form der internationalen Anerkennung) hat Irans erratisch agierender und populistischer Präsident Mahmud Ahmadinejad wohl kaum verdient. Aber die "New York Daily News" geht mit diesem Titelblatt sehr weit: Ahmadinejad, der soeben in New York gelandet ist, um eine Rede vor der Uno-Generalversammlung zu halten, soll das personifizierte Böse sein? - Dumm ist die Schlagzeile nicht nur wegen ihrer absurden "Zuspitzung". Die ganze mediale Empörung über Ahmadinejads Besuch in New York nützt nämlich vor allem jemandem: Dem iranischen Präsidenten selbst, der damit in Iran seine antiwestliche Propaganda prima anheizen und von seinen (nicht gerade kleinen) hausgemachten Problemen ablenken kann.

(via Innovation in Newspapers)

Sonntag, 23. September 2007

Neue Kolumnen auf NZZ Online

Still und fast heimlich hat NZZ Online ein neues Kolumnen-Angebot eingeführt. Auf der Seite sind nicht nur die Kolumnen von Manfred Papst und Beat Kappeler, die in der NZZ am Sonntag erscheinen, verfügbar, sondern auch "online only"-Texte: Ein "Wochenblog" (kurioser Titel) der Ägypten-Korrespondentin Kristina Bergmann, und eine Kolumne von Schwester Rut-Maria, die über ihr Leben im Benediktinerkloster St. Andreas in Sarnen berichtet. Nach vielen zeitlich begrenzten Online-Kolumnen hat NZZ Online damit den Sprung ins Blogging schon fast geschafft. Wenn man die Dinger jetzt nur noch als RSS Feed abonnieren könnte!

Samstag, 22. September 2007

Phönix aus der Asche: Die "Zürcher Studierendenzeitung"

Ist doch schön: Da haut man mal für sechs Monate nach Genf ab, und kaum ist man hier, erreichen einen ständig gute Nachrichten aus der Zürcher Heimat. Diesmal in Form der "Zürcher Studierendenzeitung" (ZS), von der man glaubte, sie habe endgültig das Zeitliche gesegnet. Doch nix da: Die ZS präsentiert sich rundum erneuert - und was in den letzten Jahren ein eher kümmerliches Blättchen war, hat sich in ein Lesevergnügen verwandelt. Das neue Layout, eine Mischung aus "Weltwoche" und "Magazin", ist angenehm dezent und edel. Inhaltlich setzt die ZS auf einen bunten Mix zwischen Hochschulpolitik, Kulturtipps und Kolumnen, die (fast) alle gut und ganz offensichtlich mit viel Freude geschrieben wurden. Das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe, ein Rückblick in die bewegte Geschichte der ZS, ist zwar nich sonderlich originell, aber angesichts der Relaunchs wohl angebracht. Das einzige, das noch fehlt, ist ein Internet-Auftritt.

PS. Am nächsten Dienstag, 25. September, erscheint erstmals das neue Studentenmagazin der NZZ, NZZ campus, für das ich zwei Artikel verfasst habe.

UPDATE (24.09.): Jetzt ist ein - noch etwas rudimentärer - Web-Auftritt da.

Freitag, 21. September 2007

Wollen die Inhalte wirklich frei sein?

Nun ist es also passiert: Die New York Times hat ihren vormals kostenpflichtigen TimesSelect-Bereich auf dem Internet frei zugänglich gemacht. Die vereinigte Blogosphäre quietschte vor Vergnügen ob dieser Nachricht - und viele konnten sich die hämischen "Hab ich's doch schon lange gesagt"-Kommentare nicht verkneifen. "Inhalte werden jetzt und für immer frei sein", jubilierte Jeff Jarvis, und Scott Karp doppelte nach: "Zeitungen sollten bezahlte Inhalte vergessen." Nun, dass die New York Times wohl besser fährt, wenn sie ihre Kommentare und Leitartikel frei zugänglich (und damit verlinkbar) macht, kann ich tatsächlich glauben. Aber es gibt auch Unternehmen, die den umgekehrten Weg wählen: Die Webseite IraqSlogger, die sich auf Nachrichten und Analysen aus dem Irak spezialisiert hat, gibt es seit Anfang September nur noch gegen eine Abo-Gebühr. Solche Fachangebote, die im Gegensatz zu Zeitungs-Webseiten ein sehr spezialisiertes Publikum und dafür eher wenig Links anziehen, können auch im Netz Geld für ihre Inhalte verlangen.

UPDATE: Auch Mark Potts äussert Zweifel daran, dass der Fall der New York Times allgemeingültig ist: "Free is not a business model".

Freitag, 14. September 2007

...und man weiss nicht, ob man lachen oder weinen soll

Eine kreative Strategie verdient einen kreativen Namen. Haben sich wohl die Verantwortlichen von Tamedia, Espace und Basler Zeitung gedacht und betiteln ihre neue Gratiszeitung für den Schweizer Markt (ist ja erst die vierte...) mit "News". Toll. Und eigentlich gibt es zu diesem erbärmlichen Geldvernichtungsspektakel nicht mehr viel mehr zu sagen, als Andreas Göldi schon geschrieben hat.

Mittwoch, 12. September 2007

Online hilft dem Print. Hilft dem Print. Hilft dem Print.

Mich erstaunt dieser Befund nicht sonderlich - aber bei der Skepsis, die viele Zeitungsmacher an den Tag legen, kann es nicht schaden, ihn mehrmals zu wiederholen: Eine starke Online-Strategie kann die Verkäufe der Print-Ausgabe ankurbeln. Die gedruckte Ausgabe des englischen Daily Telegraph etwa hat ihren Marktanteil gesteigert, seit die Redaktion Neuigkeiten konsequent zuerst auf ihrer Website publiziert. Damit konnten offenbar vermehrt junge Neuleser zum Kauf der Zeitung bewegt werden. Denn die Konsumenten informieren sich zwar immer mehr online - aber sie sehen das Web offensichtlich nicht als Ersatz für die Zeitung, sondern als Ergänzung. Und die Herausforderung für Zeitungsredaktionen ist es, ihren Lesern ein möglichst umfassendes Angebot auf beiden Kanälen zu bieten.

Freitag, 7. September 2007

Neu zusammen gesetzte News

Eine der grössten amerikanischen Tageszeitungen, USA Today, bietet seit kurzem ihren Lesern auf ihrer Homepage verschiedene Widgets zum Download an - kleine Code-Schnipsel, die man auf seiner eigenen Homepage integrieren kann und die dann aktuelle News von USA Today anzeigen. Eine sehr clevere Idee (und eine sehr simple dazu - unverständlich, warum nicht mehr Zeitungen das machen). Mit den Widgets eröffnet sich ein zusätzlicher Kanal, um Inhalte zu verbreiten und mehr Klicks auf die eigene Homepage zu generieren. Wenn die Zeitungen die Widgets selber herstellen, können sie sie zudem in ihrem eigenen Layout halten - und jedes Mal, wenn jemand das Widget auf seiner Homepage platziert, ist das Gratis-Werbung für die Zeitung. Und schliesslich liessen sich auch in den Widgets selber Werbeplätze verkaufen. Um auf dem Web erfolgreich zu sein, müssen die Zeitungen alle möglichen Kanäle zur Verbreitung ihrer Inhalte nutzen und ihren Lesern die Möglichkeit geben, die Inhalte selbst neu zusammen zu setzen und anderswo zu integrieren. Ich warte auf News-Widgets von der New York Times, der FAZ und der NZZ!

Freitag, 31. August 2007

Kurzer Nachtrag zu Google vs. VSP

Zum geplanten Vorgehen der Schweizer Verleger gegen Google, über das ich hier berichtet habe, hat Andreas Göldi auf seinem Blog einen sehr lesenswerten Kommentar verfasst (mit einer genialen Schlusspointe!).

Mittwoch, 29. August 2007

Schweizer Verleger wollen besser sein als Google

Oh nein. Die Schweizer Verleger wollen sich mit Google anlegen. Genauer gesagt: Mit Google News, dem Aggregationsservice für Nachrichten, der auch Inhalte von Schweizer Medien benutzt. Das sei Urheberrechtsverletzung, argumentieren die Verleger, und wollen Google die Nutzung der Inhalte verbieten. Das haben zwar auch schon andere gemacht - das macht die Idee aber noch lange nicht weniger dumm. Liebe Verleger, bitte schreibt 100mal an die Wandtafel: "Google ist unser Freund." Denn Google News verwendet nur Textanrisse - und lenkt damit mehr Besucher auf eure Seiten. Garantiert.
Aber halt, es kommt noch besser: Die Verleger wollen eine "Alternative zu Google News", also ein eigenes Nachrichtenportal, aufbauen. Wie innovativ! Damit das funktioniert, müsste das Schweizer Portal irgendetwas zu bieten haben, dass Google News nicht kann. Und, ganz ehrlich: Nach dem, was Schweizer Verlage bis jetzt auf dem Internet angerichtet haben, zweifle ich daran, dass sie Google überbieten können.

[via]

Siehe auch: Ist Google ein Journalist?, und Mit Steinschleudern gegen Raketen.

UPDATE: Auch Thomas Knüwer hat für das Vorgehen der Schweizer Verleger wenig Verständnis. Sehr wenig.

UPDATE2: Nachdem ich bei Knüwer schon beklagt hatte, dass sich kein Schweizer Medienblog der Sache angenommen hat, berichtet der Medienspiegel nun auch darüber.

Dienstag, 28. August 2007

Soll man den Lesern alles geben, was sie wollen?

Als der Freakonomics-Blog, ein bekannter Wirtschaftsblog, vor einigen Wochen "zügelte" und Teil der Blog-Abteilung der New York Times wurde, war die Empörung unter den Lesern riesig. Nicht etwa, weil sie etwas gegen die Times an sich hätten. Bei der Diskussion ging es um den RSS-Feed des Blogs. Mit einem RSS-Feed, den praktisch alle Blogs und Nachrichtenseiten anbieten, lässt sich der Inhalt einer Website in einem separaten Programm, einem RSS-Reader, lesen - ohne dass man die Ursprungs-Website besucht. (Mehr Erklärungen zur Funktion von RSS in diesem Video.) Aus Sorge um dadurch sinkende Besucherzahlen und Werbeeinnahmen bieten die meisten Websites von Zeitungen, auch die New York Times, nur einen unvollständigen Feed mit einem kurzen Einleitungstext an. Wer den ganzen Artikel lesen will, muss sich auf die Website durchklicken. Dass der Freakonomics-Blog mit dem Wechsel zur NYT von einem vollständigen auf einen unvollständigen Feed gewechselt hat, ist bei den Lesern auf Unverständnis gestossen und hat eine breitere Diskussion ausgelöst. Mike Masnick von Techdirt argumentiert, dass ein vollständiger Feed zu mehr Besuchen auf der Seite führt - weil die Leser die Inhalte mit einem vollständigen Feed eher lesen und verlinken und damit andere Besucher auf die Seite locken. Ob er recht hat, bleibt vorerst unklar - meines Wissens hatte noch keine Zeitungs-Website den Mut, einen vollständigen Feed einzuführen.

Donnerstag, 23. August 2007

Der Blog, der aus dem Fernsehen kam

Das dürfte für den deutschsprachigen Raum wohl eine Premiere sein: Ein Blog macht Werbung im Fernsehen. Seit heute läuft der Spot für den BILDblog, wohl zu Recht Deutschlands meistgelesener Blog, auf MTV und Viva. Und er ist lustig:


Link: sevenload.com

Freitag, 17. August 2007

Mist! Die Leser werden anspruchsvoller

Nein, es ist keine einfache Zeit für die "klassischen" Medien. Das Internet saugt einen immer grösseren Teil der Werbegelder auf - und auch die Kunden verhalten sich so untreu wie wohl noch nie zuvor. 16 verschiedene Informationsquellen benutzten Teilnehmer einer McKinsey-Studie pro Woche, über alle Plattformen hinweg. Dabei gaben die Befragten an, das Fernsehen sei die nützlichste Plattform, gefolgt vom Internet. Abgeschlagen auf dem dritten Platz sind Zeitungen. Das Pew Research Center hat zudem herausgefunden, dass die Medienkonsumenten den Nachrichtenmedien immer skeptischer gegenüber stehen (nur noch 60 % der Befragten vertrauen Zeitungen, gegenüber 81 % vor 20 Jahren). Mir scheinen das grundsätzlich positive Ergebnisse zu sein: Kritische Leser, die sich durch Konsum verschiedener Medien eine eigene Meinung bilden. Für die Medien selber ist die Entwicklung natürlich zweischneidig: Die immer untreuer werdenden Konsumenten müssen konstant bei der Stange gehalten werden. Das ist zwar anstrengend - sollte aber eigentlich den Wettbewerb ankurbeln und (theoretisch) auch die Qualität verbessern. Wir werden sehen.

Donnerstag, 16. August 2007

Da les ich doch noch lieber Wikipedia

Der Erfolg der Jekami-Enzyklopädie Wikipedia ist ja schon seit längerem umstritten. Ein grosser Teil der Kritik ist dabei berechtigt - aber manchmal scheint mir die Angst der intellektuellen Elite vor der "Weisheit der Massen" reichlich absurd zu sein. Da schreibt etwa die FAZ:

Auf den Schmalspurbegriff des Wissens geeicht, betreibt Wikipedia eine Fetischisierung des Einzelfaktums, die, wie man gesagt hat, mangelnde Einsicht in die Konstruktion des Tatsächlichen offenbart, und treibt eine Entwurzelung des Wissens voran.

Hä? Das ist etwa so, wie wenn man dem Duden eine "Fetischisierung des Einzelwortes" und mangelnde Einsicht "in die Konstruktion der Sprache" vorwerfen würde. Die Kritik schiesst völlig am Ziel vorbei - sowohl der Duden als auch Wikipedia sind Nachschlagewerke und schon nur deshalb auf "Einzelfakten" fixiert. Und deshalb (und zu diesem Schluss kommt auch die FAZ nach einigen weiteren gedanklichen Purzelbäumen) eignet sich Wikipedia zwar als Einstieg in ein Thema, aber natürlich nicht als ausschliessliche Wissensquelle. Wie übrigens auch sonst kein Nachschlagewerk.

[via]

In Kürze: Unbesiegbare Zeitungen, Mittagessen mit Fremden, Journi gegen Blogger und schöne Daten

How to make newspapers unstoppable: Intelligente Gedanken zum nicht ausgenutzten Business-Potenzial von Zeitungen.

Noonhat: Eine Seite, die es ermöglichen will, Leute zum Mittagessen zu treffen, die man sonst nie treffen würde.

Abgebloggt: Die Süddeutsche Zeitung zieht über die deutschsprachigen Blogger her. (Und die haben inzwischen geantwortet.)

Many Eyes: Wie auch Swivel kann man mit Many Eyes von IBM beliebige Datensets aufs Netz laden und visualisieren. Besonders lustig: Textanalysen wie etwa diese hier.

Mittwoch, 15. August 2007

Was sollen wir bloss mit all dem Papier machen?

Für einmal gute Nachrichten - hauptsächlich für Holzfäller im Regenwald und Putzequipen in öffentlichen Verkehrsmitteln, die wieder viel mehr zu tun haben werden. Denn die Schweiz bekommt nochmals eine Gratiszeitung. Neben 20 Minuten und heute und "Punkt CH", das in einem Monat startet, wollen die Verlage Tamedia (dem schon 20 Minuten gehört), Espace und Basler Zeitung eine neue kostenlose Tabloid-Zeitung lancieren. Damit werden wohl vor allem die grossen Städte regelrecht überflutet. Rechnen wir nach: Die Auflage von 20 Minuten soll bis im Herbst auf 550'000 steigen. heute ist bei etwa 200'000 (oder mehr), Punkt CH soll mit 425'000 Exemplaren starten. Geht man davon aus, dass die Auflage der neuen Zeitung mindestens so hoch sein wird, kommt man auf 1,6 Millionen Gratiszeitungen. In der Deutschschweiz. Pro Tag. Ob sich damit der Marktanteil der Gratiszeitungen in der Schweiz, der mit knapp 40 Prozent im europäischen Vergleich schon recht hoch ist, sprunghaft erhöhen wird, ist unwahrscheinlich. Der ganze Materialverschleiss dient einzig einem Verdrängungskampf auf dem Markt. Längerfristig wird kaum mehr als eine Gratiszeitung überleben. Viele Beteiligte werden also viel Geld verdienen - das sie wohl besser in andere Projekte gesteckt hätten.

UPDATE: Auch Martin Hitz findet den Wettlauf der Gratiszeitungen absurd. Und die Blattkritiker schrauben schon mal ihre Ansprüche herunter.

UPDATE 2: "Am wenigsten freuen werden sich die Bäume, deren Beschützer und diejenigen, die das ganze Altpapier wegräumen müssen", schreibt Ronnie Grob in seinem Post über die neue Gratiszeitung. Wenn ich's nicht besser wüsste, würde ich denken, dass er meinen Text gelesen hat :-)

UPDATE 3: Bei der Berechnung ist CASHdaily vergessen gegangen (Auflage ca. 75'000 Exemplare). Danke an Claudio für den Hinweis!