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Samstag, 29. September 2007

Rechtshänder-Galerie

Gefunden auf NZZ Online.

Freitag, 21. September 2007

Wollen die Inhalte wirklich frei sein?

Nun ist es also passiert: Die New York Times hat ihren vormals kostenpflichtigen TimesSelect-Bereich auf dem Internet frei zugänglich gemacht. Die vereinigte Blogosphäre quietschte vor Vergnügen ob dieser Nachricht - und viele konnten sich die hämischen "Hab ich's doch schon lange gesagt"-Kommentare nicht verkneifen. "Inhalte werden jetzt und für immer frei sein", jubilierte Jeff Jarvis, und Scott Karp doppelte nach: "Zeitungen sollten bezahlte Inhalte vergessen." Nun, dass die New York Times wohl besser fährt, wenn sie ihre Kommentare und Leitartikel frei zugänglich (und damit verlinkbar) macht, kann ich tatsächlich glauben. Aber es gibt auch Unternehmen, die den umgekehrten Weg wählen: Die Webseite IraqSlogger, die sich auf Nachrichten und Analysen aus dem Irak spezialisiert hat, gibt es seit Anfang September nur noch gegen eine Abo-Gebühr. Solche Fachangebote, die im Gegensatz zu Zeitungs-Webseiten ein sehr spezialisiertes Publikum und dafür eher wenig Links anziehen, können auch im Netz Geld für ihre Inhalte verlangen.

UPDATE: Auch Mark Potts äussert Zweifel daran, dass der Fall der New York Times allgemeingültig ist: "Free is not a business model".

Donnerstag, 20. September 2007

Meine Damen und Herren: Die am schnellsten wachsende Seite im Internet

Welche Seite auf dem ganzen Netz hatte im vergangenen August wohl den grössten Besucherzuwachs (prozentual gerechnet)? Könnte es etwa Google sein? Neeee. MySpace? Ach, schon lange vorbei. Facebook? Ach was. YouTube? Na, immerhin schon ein bisschen wärmer. Denn die Seite mit dem grössten Besucherzuwachs (plus 973 Prozent) war GodTube. Ja, richtig: Eine Video-Plattform für Christen. Nun ist natürlich ein Teil dieses enormen Prozentwachstums darauf zurückzuführen, dass die Seite noch jung ist und deshalb schnell wächst. Aber immerhin, GodTube (dessen Tagline ebenfalls in Anlehnung an Youtube "Broadcast Him" lautet) hat drei Millionen Besucher pro Monat, was ihren CEO schon dazu verleitet, von "Jesus 2.0" zu sprechen. Und was gibt es auf GodTube zu sehen? Das am meisten angeschaute Video zeigt ein kleines Mädchen, das den Psalm 23 aufsagt. Süss, natürlich, aber sollten 4-jährige wirklich schon Psalmen auswendig können? Lustiger sind da auf jeden Fall die christlichen Parodien von Apples "I'm a PC. I'm a Mac"-Werbespots.

UPDATE: Es gibt auch JewTube.

Donnerstag, 13. September 2007

Bürger sind dümmer als Journalisten. Oder umgekehrt.

Viel Aufregung in den letzten Tagen über eine Studie, welche die Themenauswahl auf "klassischen" Informationswebseiten und nutzergenerierten wie Digg, Reddit und Delicious verglichen hat. Fazit? "Die Themenauswahl, die Nachrichtenkonsumenten selbst treffen, unterscheidet sich deutlich von den Inhalten, die in Medien transportiert werden", schreibt persoenlich.com. Während die Mainstream-Medien Politik und Wirtschaft stark gewichten, kommen auf den Social Media-Seiten vor allem Unterhaltung und Vermischte Meldungen zum Zug. Daraus schliesst persoenlich.com: "Chefredakteure kennen Bedürfnisse der Leser nicht." Und Nicholas Carr unkt, dass die Nachrichtenkonsumenten als wie dümmer werden, wenn sie ihre Inhalte selber auswählen können. - Alles halb so wild. Erstens sind die Leute, die auf Digg und Reddit aktiv sind, kaum repräsentativ (hauptsächlich jung, männlich und technologieaffin). Und selbst wenn sie das wären: Das Bedürfnis nach Analyse der Nachrichten (durch "echte" Journalisten) wäre immer noch gegeben. Die nutzergenerierten Nachrichtenseiten und der "Bürgerjournalismus" sind eine gute Ergänzung für klassische Nachrichten. Aber sicherlich kein Ersatz.

Mittwoch, 12. September 2007

Online hilft dem Print. Hilft dem Print. Hilft dem Print.

Mich erstaunt dieser Befund nicht sonderlich - aber bei der Skepsis, die viele Zeitungsmacher an den Tag legen, kann es nicht schaden, ihn mehrmals zu wiederholen: Eine starke Online-Strategie kann die Verkäufe der Print-Ausgabe ankurbeln. Die gedruckte Ausgabe des englischen Daily Telegraph etwa hat ihren Marktanteil gesteigert, seit die Redaktion Neuigkeiten konsequent zuerst auf ihrer Website publiziert. Damit konnten offenbar vermehrt junge Neuleser zum Kauf der Zeitung bewegt werden. Denn die Konsumenten informieren sich zwar immer mehr online - aber sie sehen das Web offensichtlich nicht als Ersatz für die Zeitung, sondern als Ergänzung. Und die Herausforderung für Zeitungsredaktionen ist es, ihren Lesern ein möglichst umfassendes Angebot auf beiden Kanälen zu bieten.

Montag, 10. September 2007

Kann dieser Mann die Musikindustrie retten?

Die Antwort müsste in aller Kürze wohl lauten: Wenn einer, dann er. Der unrasierte Typ ist kein geringerer als Rick Rubin, Gründer des Labels Def Jam, der als einer der genialsten Musik-Produzenten überhaupt gilt (unter anderem hat er zehn Jahre lang mit Johnny Cash gearbeitet). Rubin ist seit neustem Vize-Chef des Musik-Giganten Columbia, und das Magazin der New York Times widmet ihm aus diesem Anlass ein ausführliches Portrait. Darin ist Rubins unkonventionelle Arbeitsweise beschrieben, sein Perfektionismus, wie er konzentriert und mit geschlossenen Augen neue Musik gleichsam aufsaugt. Und, ach ja, wegen der Rettung der Musikindustrie: Rubin schlägt ein Abonnementsmodell vor, bei dem man für eine monatliche Fixgebühr eine unbeschränkte Anzahl Musik über alle verfügbaren Kanäle beziehen kann. Doch nicht einmal er scheint davon vollständig überzeugt zu sein, geschweige denn seine Kollegen bei Columbia. Ökonomisch sehe ich denn Sinn eines solchen Modells auch nicht ein: Leute haben sehr unterschiedliche Zahlungsbereitschaft, wenn es um Musik geht - mit einem Flat-Rate-Abo verspielt man sich die Möglichkeit, das auszunützen.

Sonntag, 2. September 2007

In Kürze: Keine Sofakartoffeln, Hacker gegen Estland und Anti-Social-Networking

Das Ende der Sofakartoffel. Die FAZ analysiert die Veränderungen im deutschen Medienmarkt.

Hackers take down the most wired country in Europe
. Im März wurde Estland das Opfer eines koordinierten Hacker-Angriffs. Wired erzählt die Geschichte der spektakulären Attacke.

NOSO, das Anti-Social-Network.
"The NOSO experience offers a unique opportunity to create NO Connections by scheduling NO Events with other NO Friends."


Freitag, 31. August 2007

Kurzer Nachtrag zu Google vs. VSP

Zum geplanten Vorgehen der Schweizer Verleger gegen Google, über das ich hier berichtet habe, hat Andreas Göldi auf seinem Blog einen sehr lesenswerten Kommentar verfasst (mit einer genialen Schlusspointe!).

Google sollte Angst haben vor denen, die Angst vor Google haben

"Who's afraid of Google?" fragt der Economist auf dem Titelblatt seiner heutigen Ausgabe. In einem Leitartikel und einer ausführlichen Reportage aus dem "Googleplex" geht das britische Magazin der Frage nach, wie die Zukunft der Firma aussehen kann, die im Moment so viele Bereiche des Internets dominiert. Google steht von vielen Seiten unter Druck - das Spektrum reicht von Copyright-Klagen bis zu Zensurvorwürfen. Die grösste Herausforderung aber, so schliesst der Economist, dürfte für Google der Schutz der Privatsphäre seiner Kunden werden. Denn Googles Businessmodell ist darauf ausgelegt, möglichst viele Daten über alle Kunden zu sammeln, um möglichst präzise Werbung schalten zu können. Löscht Google zu schnell solche Daten, beschränkt die Firma ihre Einnahme-Möglichkeiten. Behält sie die Daten zu lange, könnten die Kunden misstrauisch werden - und aus Angst um ihre Privatsphäre Googles Angebote zugunsten von kleineren Konkurrenten schmähen.

Donnerstag, 30. August 2007

Das unsterbliche Gedächtnis

Das Internet vergisst nichts. Die meisten Informationen, die im Netz publiziert werden, bleiben verfügbar. Und selbst, wenn mal etwas gelöscht wird - die Chancen sind gross, dass jemand anders in der Zwischenzeit die Information bereits kopiert hat oder sie über ein Internet-Archiv zugänglich ist. Dieser Umstand könne zu Ärger führen, schrieb der Ombudsmann der New York Times, Clark Hoyt, kürzlich in einer Kolumne. Alte und fehlerhafte Informationen über eine Person können Jahre später noch über eine Suchmaschine gefunden werden und den Ruf der Person schädigen. Hoyt schlägt deshalb vor, das Internet gewisse Informationen "vergessen" zu lassen - so wie das menschliche Gehirn auch irrelevante Informationen mit der Zeit vergisst. Die Idee stösst bei den meisten Kommentatoren nicht auf Gegenliebe: Die Times würde damit Geschichtsklitterung betreiben, meint David Weinberger. Wichtiger sei, die Informationen im richtigen Kontext wiederzugeben. Jack Shafer erklärt, der eigene Ruf sei kein Besitztum, über das man die vollständige Kontrolle ausüben könne. Anstatt nicht genehme Informationen über sich selbst zu entfernen, solle man möglichst viele Informationen von sich aus publizieren, um die eigene Seite der Dinge darzustellen.

UPDATE: Um seinen Internet-Ruf aufzupolieren, kann man natürlich auch jemanden anstellen - siehe dieses Video hier. [via Pforti]

Mittwoch, 29. August 2007

"L'Hebdo" übernachtet bei den Kandidaten


Im Oktober sind in der Schweiz National- und Ständeratswahlen, und die Medien rüsten sich mit spezieller Wahlkampf-Berichterstattung für das grosse Ereignis. Der Tagi hat ein Dossier aufgeschaltet, und die NZZ lässt in ihrem Politblog die Politiker selber bloggen. Gähn.
Ein Blick über den Röstigraben täte den Zürchern gut: Dort hat das Magazin "L'Hebdo" ein wirklich spannendes Experiment gestartet. Im Hebdo-Blog "Blog & Breakfast" berichten ALLE Hebdo-Berichterstatter, ob sie sonst über Politik, Kultur oder Wirtschaft schreiben, von ihren Übernachtungen bei den Kandidaten in der ganzen Schweiz - jeden Tag, in Text, Bild und Videos. Bruno Giussani berichtet ausführlich über das Projekt. Die Einträge im Blog sind "geotagged", also auf einer interaktiven Landkarte eingezeichnet und können auch so abgerufen werden. Und anstatt weitschweifige politische Analysen zu liefern, zeichnen die Autoren des Blogs hautnahe Kandidatenporträts, die durchaus auch etwas subjektiv gefärbt sein können. Kein Ersatz für die klassische Wahlberichterstattung, natürlich - aber eine wunderbare Ergänzung!

Schweizer Verleger wollen besser sein als Google

Oh nein. Die Schweizer Verleger wollen sich mit Google anlegen. Genauer gesagt: Mit Google News, dem Aggregationsservice für Nachrichten, der auch Inhalte von Schweizer Medien benutzt. Das sei Urheberrechtsverletzung, argumentieren die Verleger, und wollen Google die Nutzung der Inhalte verbieten. Das haben zwar auch schon andere gemacht - das macht die Idee aber noch lange nicht weniger dumm. Liebe Verleger, bitte schreibt 100mal an die Wandtafel: "Google ist unser Freund." Denn Google News verwendet nur Textanrisse - und lenkt damit mehr Besucher auf eure Seiten. Garantiert.
Aber halt, es kommt noch besser: Die Verleger wollen eine "Alternative zu Google News", also ein eigenes Nachrichtenportal, aufbauen. Wie innovativ! Damit das funktioniert, müsste das Schweizer Portal irgendetwas zu bieten haben, dass Google News nicht kann. Und, ganz ehrlich: Nach dem, was Schweizer Verlage bis jetzt auf dem Internet angerichtet haben, zweifle ich daran, dass sie Google überbieten können.

[via]

Siehe auch: Ist Google ein Journalist?, und Mit Steinschleudern gegen Raketen.

UPDATE: Auch Thomas Knüwer hat für das Vorgehen der Schweizer Verleger wenig Verständnis. Sehr wenig.

UPDATE2: Nachdem ich bei Knüwer schon beklagt hatte, dass sich kein Schweizer Medienblog der Sache angenommen hat, berichtet der Medienspiegel nun auch darüber.

Montag, 20. August 2007

Ist Google ein Journalist?

Vor knapp zwei Wochen kündigte Google an, in ihrem automatischen Nachrichten-Aggregator Google News künftig Kommentar zuzulassen - allerdings nur von Personen und Institutionen, die im entsprechenden Artikel vorkommen. Die Idee schien mir zwar interessant, aber nicht sonderlich bahnbrechend zu sein. Dann publizierte die L.A. Times einen Kommentar zu Googles Schritt und erklärte: It's not journalism. Die vereinigten Medien-Blogger (zumindest in den USA) sind seither in Aufruhr: Die Haltung der L.A. Times sei lächerlich und aufwieglerisch, die Zeitung verleugne die Realität und habe keine Ahnung davon, wie das Internet funktioniere.
Also: Erst einmal tiiiiief durchatmen. Zugegeben, der Kommentar der LAT ist etwas hochnäsig formuliert. Aber ansonsten ist die Aufregung kaum zu rechtfertigen. Denn die Zeitung kritisiert nicht etwa Googles Nachrichten-Aggregation oder die neue Kommentarfunktion, sondern stellt schlicht fest: Journalism is more than just aggregating information. Richtig. Völlig richtig. Automatische Aggregation ersetzt den Journalismus nicht, und Google News ist darum auch keine Konkurrenz für traditionelle Medien. Genau das finden die Blogger - und genau das steht im Artikel der LAT.

Auch Fotos sollen intelligent werden

Auf dem Internet lagern bereits Millionen von Fotos von praktisch jedem Ort auf dieser Welt. Die Meta-Informationen zu einem Bild (was stellt es dar, wann und wo wurde es aufgenommen, usw.) müssen aber meistens manuell eingegeben werden. Mit einem ambitionierten Projekt will Microsoft dies nun ändern. Photosynth analysiert mehrere Bilder des gleichen Ortes und konstruiert daraus eine dreidimensionale Repräsentation. Damit entsteht einerseits eine Art 3-D-Fotoalbum. Andererseits - und das scheint mir das wahre Potenzial des Projektes zu sein - ermöglicht die Technologie eine automatische Verlinkung von Fotos, die am selben Ort aufgenommen wurden. Damit werden nicht nur die Bilder, sondern auch deren Meta-Informationen geknüpft: Wenn ich ein Bild von der Notre Dame in Paris aufs Internet lade, ist die Fotografie automatisch mit anderen Bildern und Beschreibungen der Kathedrale verknüpft. Microsoft-Entwickler Blaise Aguera y Arcas demonstriert hier das Projekt:

[via]

Freitag, 17. August 2007

Mist! Die Leser werden anspruchsvoller

Nein, es ist keine einfache Zeit für die "klassischen" Medien. Das Internet saugt einen immer grösseren Teil der Werbegelder auf - und auch die Kunden verhalten sich so untreu wie wohl noch nie zuvor. 16 verschiedene Informationsquellen benutzten Teilnehmer einer McKinsey-Studie pro Woche, über alle Plattformen hinweg. Dabei gaben die Befragten an, das Fernsehen sei die nützlichste Plattform, gefolgt vom Internet. Abgeschlagen auf dem dritten Platz sind Zeitungen. Das Pew Research Center hat zudem herausgefunden, dass die Medienkonsumenten den Nachrichtenmedien immer skeptischer gegenüber stehen (nur noch 60 % der Befragten vertrauen Zeitungen, gegenüber 81 % vor 20 Jahren). Mir scheinen das grundsätzlich positive Ergebnisse zu sein: Kritische Leser, die sich durch Konsum verschiedener Medien eine eigene Meinung bilden. Für die Medien selber ist die Entwicklung natürlich zweischneidig: Die immer untreuer werdenden Konsumenten müssen konstant bei der Stange gehalten werden. Das ist zwar anstrengend - sollte aber eigentlich den Wettbewerb ankurbeln und (theoretisch) auch die Qualität verbessern. Wir werden sehen.

Montag, 13. August 2007

Kenne deine Konsumenten

Letzte Woche sorgte die Prognose für Aufregung, wonach bereits 2011 mehr Geld für Online- als für Print-Werbung ausgegeben werden wird. Im Print tätige Unternehmen sollten sich deshalb schon jetzt ein möglichst grosses Stück vom Online-Kuchen sichern. Doch Werbung auf dem Internet funktioniert natürlich etwas anders als in gedruckten Medien. Im Moment machen gruslige Ausdrücke wie "Predictive Behavioral Targeting" die Runde. Das bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass immer ausgefeiltere Methoden entwickelt werden, um zielgruppengerechte Werbung online in Echtzeit zu publizieren. Das Klick-Verhalten von Benutzern wird mit demographischen Daten kombiniert, um möglichst relevante Anzeigen zu schalten. Deshalb werden Social-Networking-Seiten, auf denen die Leute nichts anderes tun, als ihr Privatleben auszubreiten, auch als Werbeplattformen immer beliebter. Klassische Medienunternehmen müssen darum nachziehen und ihre Konsumenten besser kennenlernen - sei es mit der Möglichkeit zu Online-Diskussionen, personalisierten News-Portalen oder "Crowdsourcing"-Projekten.

Zurück in die Zukunft

Es ist noch gar nicht mal so lange her, da war das Internet noch jung, und die Webseiten der Zeitungen sozusagen in ihrer Babyphase. Sie wollten möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich lenken und machten deshalb ihr ganzes (oder fast ganzes) Angebot online frei zugänglich. Dann wandelte sich die Mentalität, und die Zeitungen nahmen einen grossen Teil des Contents entweder ganz vom Netz, um die Printprodukte nicht zu kannibalisieren, oder machten ihn nur gegen Gebühr zugänglich. Tempi passati. Denn die Zukunft scheint der Vergangenheit zu ähneln: Auf dem Netz ist (fast) alles gratis. Die New York Times will ihr kostenpflichtiges "TimesSelect"-Experiment beenden, und auch das Wall Street Journal (das immerhin Geld mit den Online-Abos verdient hat) gibts wohl bald wieder kostenlos im Netz. Der Economist macht alle Inhalte für ein Jahr frei zugänglich. Der Mentalitätswandel hat viel mit der "Deportalisation" zu tun. Blogger etwa linken nicht auf die Homepage einer Zeitung, sondern direkt auf einen interessanten Artikel. Je mehr Inhalte online verfügbar sind, desto mehr Links gibts, und desto mehr Geld lässt sich mit Werbung verdienen. Zumindest ist das der Plan. Mal schauen, ob's funktioniert.

Donnerstag, 9. August 2007

Regeln für den Online-Journalismus

Als die Washington Post im Juli ihre 10 Prinzipien für Online-Journalismus formulierte, war ich beeindruckt. Da standen Aussagen drin wie "Post journalism published online has the same value as journalism published in the newspaper". Die Post, so schien mir, war eine Vorreiterin in Sachen Internet-Journalismus. Wie falsch ich doch lag.

Bereits im Februar hatte nämlich die BBC ihre 15 Web-Prinzipien veröffentlicht - und die gehen, wie Bruno Giussani heute in seinem Blog schreibt, viel weiter als die von der Post. Zum Beispiel:

Fall forward, fast: make many small bets, iterate wildly, back successes, kill failures, fast.

oder:

Treat the entire web as a creative canvas: don’t restrict your creativity to your own site.

Mittwoch, 8. August 2007

Geh, wohin das Werbegeld dich führt

Nur noch vier Jahre soll es dauern, bis - zumindest in den USA - der "Wendepunkt in der Geschichte der Kommunikation" erreicht ist: Dann nämlich, im Jahr 2011, werden erstmals die Online-Werbeausgaben diejenigen für Print-Inserate übersteigen. Dies zumindest prognostiziert Veronis Suhler Stevenson (VSS), eine auf den Mediensektor spezialisierte Private-Equity-Firma. Das scheint mir doch ziemlich schnell zu sein - und tatsächlich gibt es Gründe, warum VSS bei dieser Prognose ein klein wenig übertreiben könnte. Aber selbst wenn der "Wendepunkt" nicht 2011 kommen wird - er wird ziemlich sicher kommen. Und Zeitungsunternehmen tun gut daran, schon jetzt den abwandernden Werbegeldern hinterher zu eilen, um sich einen möglichst grossen Teil des Online-Werbekuchens zu sichern. Und das heisst eben nicht nur, Inhalte aus der Print-Ausgabe aufs Netz zu stellen, sondern neue, innovative Produkte zu entwickeln. Auch wenn sie manchmal scheitern - es ist immer noch eine bessere Strategie, als mehr Gratiszeitungen zu drucken.

Dienstag, 7. August 2007

Probieren geht über alles

Wie stellt ein Medienunternehmen sicher, dass es am Puls der sich schnell wandelnden Zeiten bleibt? Entweder es unterstützt innovative Ideen mit Kapital (und kauft sie später ein), oder es versucht sich in Innovation von innen. Das war vor sechs Monaten der Plan des Project Red Stripe der Economist Group, Herausgeberin des Economist. Sechs Angestellte hatten ein halbes Jahr und 100'000 Pfund zur Verfügung, um ein "innovatives web-basiertes Produkt" zu kreieren. Der Prozess wurde nach aussen geöffnet; jeder konnte Ideen einreichen. Herausgekommen ist nun... nichts. Die kurz vor Ende des Projekts öffentlich gemachte Idee, eine Webplattform einzurichten, welche die Economist Group mit Entwicklungsorganisationen verlinkt, wird nicht umgesetzt. Das heisst aber nicht, dass Project Red Stripe ein Fehlschlag war. Denn die Medienunternehmen haben im Moment gar keine andere Wahl, als neue Ideen auszuprobieren - und in Kauf zu nehmen, dass einige, viele (oder alle) scheitern. Doch je mehr man ausprobiert, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine wirklich gute (lies: zu Geld machbare) Idee auftaucht.