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Donnerstag, 11. Oktober 2007

Macht Alexander Segert zum Werber des Jahres

Alexander Segert ist Geschäftsführer der Werbeagentur Goal, welche die inzwischen berüchtigten Schaf-Plakate der SVP entworfen hat (nun gut, die Schafe hat er geklaut, aber sei's drum). Für diese Leistung sollte er, finde ich, zum Werber des Jahres gekürt werden. Nicht, weil mir das Schafs-Plakat gefällt - es ist dumm, rassistisch und spricht die primitivsten Instinkte an. Aber mit dem Schafs-Plakat haben Segert und die SVP ein Marketing-Kunststück vollbracht: Sie dominieren damit nicht nur den (in der Konsequenz völlig inhaltsfreien) Wahlkampf - sie haben den Medien und sogar ihren Gegnern ihren politischen Symbolismus aufgezwungen. Die italienische Stampa bezeichnet die Schweiz als "das schwarze Schaf Europas". Die in eine Strassenschlacht ausgeartete Anti-SVP-Demonstration wurde vom Komitee Schwarzes Schaf organisiert, das auch T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck verkauft. Und unter der Adresse www.schwarzes-schaf.ch wirbt SP-Nationalratskandidat Andrew Katumba für sich. Damit ist das Schaf endgültig vom Werbeslogan zum allgemeinen Schlagwort geworden - das grösste Kompliment, dass man einer Werbekampagne machen kann.

Freitag, 7. September 2007

Neu zusammen gesetzte News

Eine der grössten amerikanischen Tageszeitungen, USA Today, bietet seit kurzem ihren Lesern auf ihrer Homepage verschiedene Widgets zum Download an - kleine Code-Schnipsel, die man auf seiner eigenen Homepage integrieren kann und die dann aktuelle News von USA Today anzeigen. Eine sehr clevere Idee (und eine sehr simple dazu - unverständlich, warum nicht mehr Zeitungen das machen). Mit den Widgets eröffnet sich ein zusätzlicher Kanal, um Inhalte zu verbreiten und mehr Klicks auf die eigene Homepage zu generieren. Wenn die Zeitungen die Widgets selber herstellen, können sie sie zudem in ihrem eigenen Layout halten - und jedes Mal, wenn jemand das Widget auf seiner Homepage platziert, ist das Gratis-Werbung für die Zeitung. Und schliesslich liessen sich auch in den Widgets selber Werbeplätze verkaufen. Um auf dem Web erfolgreich zu sein, müssen die Zeitungen alle möglichen Kanäle zur Verbreitung ihrer Inhalte nutzen und ihren Lesern die Möglichkeit geben, die Inhalte selbst neu zusammen zu setzen und anderswo zu integrieren. Ich warte auf News-Widgets von der New York Times, der FAZ und der NZZ!

Donnerstag, 23. August 2007

Der Blog, der aus dem Fernsehen kam

Das dürfte für den deutschsprachigen Raum wohl eine Premiere sein: Ein Blog macht Werbung im Fernsehen. Seit heute läuft der Spot für den BILDblog, wohl zu Recht Deutschlands meistgelesener Blog, auf MTV und Viva. Und er ist lustig:


Link: sevenload.com

Montag, 13. August 2007

Kenne deine Konsumenten

Letzte Woche sorgte die Prognose für Aufregung, wonach bereits 2011 mehr Geld für Online- als für Print-Werbung ausgegeben werden wird. Im Print tätige Unternehmen sollten sich deshalb schon jetzt ein möglichst grosses Stück vom Online-Kuchen sichern. Doch Werbung auf dem Internet funktioniert natürlich etwas anders als in gedruckten Medien. Im Moment machen gruslige Ausdrücke wie "Predictive Behavioral Targeting" die Runde. Das bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass immer ausgefeiltere Methoden entwickelt werden, um zielgruppengerechte Werbung online in Echtzeit zu publizieren. Das Klick-Verhalten von Benutzern wird mit demographischen Daten kombiniert, um möglichst relevante Anzeigen zu schalten. Deshalb werden Social-Networking-Seiten, auf denen die Leute nichts anderes tun, als ihr Privatleben auszubreiten, auch als Werbeplattformen immer beliebter. Klassische Medienunternehmen müssen darum nachziehen und ihre Konsumenten besser kennenlernen - sei es mit der Möglichkeit zu Online-Diskussionen, personalisierten News-Portalen oder "Crowdsourcing"-Projekten.

Zurück in die Zukunft

Es ist noch gar nicht mal so lange her, da war das Internet noch jung, und die Webseiten der Zeitungen sozusagen in ihrer Babyphase. Sie wollten möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich lenken und machten deshalb ihr ganzes (oder fast ganzes) Angebot online frei zugänglich. Dann wandelte sich die Mentalität, und die Zeitungen nahmen einen grossen Teil des Contents entweder ganz vom Netz, um die Printprodukte nicht zu kannibalisieren, oder machten ihn nur gegen Gebühr zugänglich. Tempi passati. Denn die Zukunft scheint der Vergangenheit zu ähneln: Auf dem Netz ist (fast) alles gratis. Die New York Times will ihr kostenpflichtiges "TimesSelect"-Experiment beenden, und auch das Wall Street Journal (das immerhin Geld mit den Online-Abos verdient hat) gibts wohl bald wieder kostenlos im Netz. Der Economist macht alle Inhalte für ein Jahr frei zugänglich. Der Mentalitätswandel hat viel mit der "Deportalisation" zu tun. Blogger etwa linken nicht auf die Homepage einer Zeitung, sondern direkt auf einen interessanten Artikel. Je mehr Inhalte online verfügbar sind, desto mehr Links gibts, und desto mehr Geld lässt sich mit Werbung verdienen. Zumindest ist das der Plan. Mal schauen, ob's funktioniert.

Donnerstag, 9. August 2007

Willkommen bei McBrainwash!

Eigentlich ist es nicht wirklich erstaunlich: Forscher von der Universität Standford haben festgestellt, dass 3- bis 5-jährige Kinder Essen viel lieber mögen, wenn es in McDonalds-Verpackung daher kommt. Selbst wenn es sich beim Essen um simple Karotten handelt. Der Effekt ist um so stärker, je höher der Fernseh-Konsum der lieben Kleinen ist - und je mehr Werbung des Fast-Food-Giganten sie deshalb konsumieren. Das erinnert an die Szene aus dem Dokumentarfilm "Super Size Me", wo amerikanische Primarschüler auf Bildern, die man ihnen zeigt, Jesus mit George Bush verwechseln - aber Ronald McDonald immer zweifelsfrei identifizieren. Beängstigend? Ja, klar. Aber vielleicht funktioniert die Gehirnwäsche ja auch andersrum? Eltern müssten ihren Kindern dann einfach möglichst ekliges Essen in McDo-Verpackung vorsetzen, und schon wäre die Gefahr von einstiger Fettleibigkeit drastisch reduziert.

Mittwoch, 8. August 2007

Geh, wohin das Werbegeld dich führt

Nur noch vier Jahre soll es dauern, bis - zumindest in den USA - der "Wendepunkt in der Geschichte der Kommunikation" erreicht ist: Dann nämlich, im Jahr 2011, werden erstmals die Online-Werbeausgaben diejenigen für Print-Inserate übersteigen. Dies zumindest prognostiziert Veronis Suhler Stevenson (VSS), eine auf den Mediensektor spezialisierte Private-Equity-Firma. Das scheint mir doch ziemlich schnell zu sein - und tatsächlich gibt es Gründe, warum VSS bei dieser Prognose ein klein wenig übertreiben könnte. Aber selbst wenn der "Wendepunkt" nicht 2011 kommen wird - er wird ziemlich sicher kommen. Und Zeitungsunternehmen tun gut daran, schon jetzt den abwandernden Werbegeldern hinterher zu eilen, um sich einen möglichst grossen Teil des Online-Werbekuchens zu sichern. Und das heisst eben nicht nur, Inhalte aus der Print-Ausgabe aufs Netz zu stellen, sondern neue, innovative Produkte zu entwickeln. Auch wenn sie manchmal scheitern - es ist immer noch eine bessere Strategie, als mehr Gratiszeitungen zu drucken.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Wie Europäer zusammen kommen

Die EU-Kommission, besorgt über ihr bürokratisches und und bürgerfernes Image, ist in die PR-Offensive gegangen und hat ihren eigenen Kanal auf dem Video-Portal YouTube eröffnet: EUTube. Darauf sind Videoclips zu ernsten, wichtigen Themen wie Klimawandel, Sicherheit auf Strassen, AIDS oder Immigration zu finden. Das Interesse der Europäer an den edukativen Filmchen hielt sich jedoch in Grenzen - bis EUTube einen Clip zur Förderung des europäischen Films online schaltete, der Ausschnitte aus 18 Sex-Szenen zeigt. Konservative Politiker und britische Tabloid-Blätter überboten sich in Empörung und warfen der EU die Verbreitung von Pornografie vor. Das Ergebnis der Aufregung: Das Video wurde über 3 Millionen mal angeklickt, und die Geschichte schaffte es sogar über den Atlantik in die New York Times, die den Zusammenschnitt europäischer Momente der Zweisamkeit folgendermassen kommentiert: "European union, indeed."