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Donnerstag, 16. August 2007

Da les ich doch noch lieber Wikipedia

Der Erfolg der Jekami-Enzyklopädie Wikipedia ist ja schon seit längerem umstritten. Ein grosser Teil der Kritik ist dabei berechtigt - aber manchmal scheint mir die Angst der intellektuellen Elite vor der "Weisheit der Massen" reichlich absurd zu sein. Da schreibt etwa die FAZ:

Auf den Schmalspurbegriff des Wissens geeicht, betreibt Wikipedia eine Fetischisierung des Einzelfaktums, die, wie man gesagt hat, mangelnde Einsicht in die Konstruktion des Tatsächlichen offenbart, und treibt eine Entwurzelung des Wissens voran.

Hä? Das ist etwa so, wie wenn man dem Duden eine "Fetischisierung des Einzelwortes" und mangelnde Einsicht "in die Konstruktion der Sprache" vorwerfen würde. Die Kritik schiesst völlig am Ziel vorbei - sowohl der Duden als auch Wikipedia sind Nachschlagewerke und schon nur deshalb auf "Einzelfakten" fixiert. Und deshalb (und zu diesem Schluss kommt auch die FAZ nach einigen weiteren gedanklichen Purzelbäumen) eignet sich Wikipedia zwar als Einstieg in ein Thema, aber natürlich nicht als ausschliessliche Wissensquelle. Wie übrigens auch sonst kein Nachschlagewerk.

[via]

Dienstag, 7. August 2007

Probieren geht über alles

Wie stellt ein Medienunternehmen sicher, dass es am Puls der sich schnell wandelnden Zeiten bleibt? Entweder es unterstützt innovative Ideen mit Kapital (und kauft sie später ein), oder es versucht sich in Innovation von innen. Das war vor sechs Monaten der Plan des Project Red Stripe der Economist Group, Herausgeberin des Economist. Sechs Angestellte hatten ein halbes Jahr und 100'000 Pfund zur Verfügung, um ein "innovatives web-basiertes Produkt" zu kreieren. Der Prozess wurde nach aussen geöffnet; jeder konnte Ideen einreichen. Herausgekommen ist nun... nichts. Die kurz vor Ende des Projekts öffentlich gemachte Idee, eine Webplattform einzurichten, welche die Economist Group mit Entwicklungsorganisationen verlinkt, wird nicht umgesetzt. Das heisst aber nicht, dass Project Red Stripe ein Fehlschlag war. Denn die Medienunternehmen haben im Moment gar keine andere Wahl, als neue Ideen auszuprobieren - und in Kauf zu nehmen, dass einige, viele (oder alle) scheitern. Doch je mehr man ausprobiert, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine wirklich gute (lies: zu Geld machbare) Idee auftaucht.

Freitag, 3. August 2007

Wir kaufen uns einen Fussball-Club

Bereits im Mai hat die britische Website MyFootballClub ihr Projekt gestartet, mit mindestens 50'000 Fans einen Fussball-Club zu kaufen und zu managen. Die Idee ist, dass jedes Mitglied 35 £ bezahlt und dafür mitbestimmen darf, welcher Club gekauft werden soll und später, welche Spieler eingekauft und welche Taktik angewendet werden soll. Gestern nun hat MyFootballClub die Schwelle von 50'000 Mitgliedern erreicht und begonnen, sich um einen Club zu bewerben.

Das Projekt versucht, das Konzept des Crowdsourcing auf das Management eines Fussball-Clubs zu übertragen - genau so, wie Wired versucht hatte, das Konzept auf das Verfassen eines Artikels anzuwenden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der quasi basisdemokratisch gemanagte Fussball-Club Erfolgschancen hat - vorausgesetzt, es findet sich ein guter Weg, um die Meinungen und Inputs aller Teilnehmer zu aggregieren.

[via]