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Dienstag, 28. August 2007

Sündiger Risotto

Eine nette Geschichte aus dem Tages-Anzeiger: Ein Teller Risotto verursacht in der Türkei gerade eine politische Krise. Das Reisgericht wurde dem Innenminister Osman Günes von einem Provinzgouverneur vorgesetzt. Günes, ein frommer Muslim der Regierungspartei AKP, fand den Risotto schmackhaft und fragte nach den Zutaten. Als er erfuhr, dass der Risotto mit Wein gekocht worden war, bezeichnete er das Gericht empört als "unrein" und stürmte aus dem Restaurant. Der Gouverneur war einige Tage später seinen Job los. Den in den Parlamentswahlen unterlegenen Säkularisten dient die Episode als Beweis dafür, dass es in der AKP - die ab heute mit Abdullah Gül wohl auch den türkischen Präsidenten stellen wird - von religiösen Fanatikern nur so wimmelt. Die Suppe, 'tschuldigung, der Risotto, wird dann aber wohl nur halb so heiss gegessen: Mehrere Geistliche haben den Risotto-Verzehr für unbedenklich erklärt und Günes muss sich vorhalten lassen, er habe überreagiert. Und so lange eine türkische Zeitung die Schlagzeile "Risotto verspeist Gouverneur" setzen kann, steht es um das politische Klima im Land wohl noch nicht so schlecht.

Donnerstag, 23. August 2007

Schamlose Eigenwerbung (I)


Heute im "Reisen und Freizeit"-Bund der NZZ: Meine Reportage aus Istanbul. Hier gehts zum Artikel.

Wer noch mehr über die Bosporus-Stadt wissen will: Fotos von mir aus Istanbul gibt es hier, hier und hier. Auf dieser Karte sind einige meiner persönlichen Highlights eingezeichnet, darunter auch solche, die es nicht mehr in den Artikel geschafft haben: Kadiköy, ein wunderschönes Quartier auf der asiatischen Stadtseite; das Wasserpfeifen-Café "Kallavi"; der kleinste Kebabstand der Welt; und der Topkapi-Palast.

Falls jemand noch mehr Istanbul-Tipps hat: Einfach hier einen Kommentar schreiben.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Nach der Wahl

Die türkischen Parlamentswahlen sind vorbei, und über das grundsätzlich erfreuliche (wenn auch nicht unerwartete) Ergebnis wurde bereits viel geschrieben. Deshalb hier nur noch ein Verweis auf einen Artikel aus der ZEIT vom letzten Donnerstag, der die vielen Gräben, die sich durch das Land ziehen, ausgezeichnet analysiert. Denn es ging in dieser Wahl eben nicht nur um einen Kampf zwischen Demokratie und Säkularismus. Sondern auch um um eine Abrechnung der Massen mit den Eliten - und um ein Auflehnen der ethnischen Minderheiten gegen den türkischen Nationalismus. Ob der überragende Wahlsieg der AKP in diesen Konflikten die entscheidende Wende herbeigeführt hat, wird sich allerdings erst noch weisen müssen.

Sonntag, 1. Juli 2007

Schöner leben dank den Ottomanen

Das Aufkommen des Protestantismus in Europa fiel zeitlich mit der Blütezeit des Ottomanischen Reiches im 15. und frühen 16. Jahrhunderts zusammen, das in dieser Zeit auch eine ernst zu nehmende militärische Bedrohung für die Europäer darstellte. Einige Historiker argumentieren deshalb, dass die Gefahr von aussen die Entwicklung neuer religiöser Institutionen begünstigt hat. Murat Iyigun, Ökonomie-Professor aus Colorado, hat versucht, diese These empirisch zu überprüfen:

I find strong empirical support for the idea that Ottoman military engagements in continental Europe lowered the number and extent of violent conflicts among and within the European states. Ottomans’ influence in Europe extended to the feud between the Protestant Reformers and the Catholic establishment: during the time between the birth of Lutheranism and the end of the Thirty-Years War, the likelihood and timing of military engagements between the Protestant Reformers and the Counter-Reformation forces depended negatively and statistically significantly on Ottomans’ military activities in Europe.
[via]

Samstag, 5. Mai 2007

Demokratie statt Säkularismus

Im aktuellen Machtkampf stehen sich die "Islamisten" der AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdogan und die Verteidiger des kemalistischen Säkularismus, allen voran die Armeeführung, gegenüber. Doch es geht hier nicht um die Verteidigung eines modernen Staates gegen Angriffe von religiösen Fanatikern. Erdogans Regierung ist nicht nur demokratisch gewählt, sie hat während ihrer Amtszeit auch beeindruckende Leistungen vollbracht. Die Armee und die Säkularisten haben dagegen mit einer Putschdrohung und einem (verfassungswidrigen) Gerichtsentscheid die Wahl des AKP-Politikers Abdullah Gül vorläufig verhindert. Wie sie sich beim absehbaren Wahlsieg der AKP bei den nun anstehenden Parlamentswahlen verhalten werden, bleibt unklar. Wenn die Türkei aber vor der Wahl zwischen Demokratie und Säkularismus steht, sollte sie sich für ersteres entscheiden, schreibt der Economist.